USA: Verhaftung von Präsident Trumps Wahlkampfberater Roger J. Stone

Dr. Alexander von Paleske   —-    26.1. 2019  —-

Gestern wurde ein einstmals enger Wahlkampfhelfer Donald Trumps verhaftet. Sein Name:  Roger J. Stone. „So what“  mögen sich manche gefragt haben: also noch einer, den der Sonderermittler Robert Mueller , eingesetzt  für die Aufklärung angeblicher Wahlkampfbeziehungen, zwischen  US Präsident Trump  und Russland, zur Strecke gebracht, sprich angeklagt hat: diesmal also Roger Stone,  wegen angeblicher diverser Falschaussagen und Anstiftung zu Falschaussagen.

Von allen bisher zur Anklage gebrachten,   genannt seien u.a.:
— Paul Manafort , Lobbyist Wahlkampfmanager

Michael Cohen  Ex-Anwalt Trumps

– Michael T. Flynn, General und ehemaliger Sicherheitsberater Trumps

– Rick Gates, Lobbyist und Mitarbeiter Paul Manaforts

– George Papadopoulos, aussenpolitischer Politikberater Trumps

ist dies sicherlich, von seiner bisherigen Karriere her gesehen, der übelste, der sein schmutziges Geschäft über Jahrzehnte betrieb. Einer, der sich selbst als „Wahlkampf-Consultant” bezeichnet, und dem in der Vergangenheit  kein  Mittel fremd war, um den jeweiligen politischen Gegner – also die Demokraten –  übelst zu diskreditieren.

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Roger J. Stone

Startend als Freund Richard Nixons. Auch  nachdem der wegen des Watergate Skandals abtreten musste, machte Stone  weiter den Fürsprecher  für diesen Herrn, der bei den Republikanern zur Unperson geworden war.

Miserabler Ruf
In den Medien erwarb er sich in der folgenden Zeit mit seinen  Aktivitäten zur Unterstützung republikanischer Politiker redlich die wenig schmeichelhaften Zusatzbezeichnungen:
– Dreckiger Taschentrickspieler
– Renowned infighter
– Praktiker des harten politischen Kampfes
– Erfinder von Lügengeschichten und Verschwörungstheorien.
Mit seiner 1980 gegründeten Lobbyfirma, zusammen mit dem jetzt – dank der Vorarbeit Muellers inhaftierten und angeklagten – Trump-Wahlkampfmanager Paul Manafort, offerierte er seine Lobby-Dienste gerne auch mehr als zwielichtigen Diktatoren wie Mobuto Seseseko in Zaire ( heute: Demokratische Republik Kongo) und Ferdinand Marcos von den Philippinen.

Guter Gebrauchswert
So einen Mann konnte schon der Republikaner Ronald Reagan in seinem Wahlkampf gut gebrauchen, und auch seinem Nachfolger GHW Bush war er im Wahlkampf 1988 nützlich, als er zusammen mit dem republikanischen Strategisten Lee Atwater den  Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Michael Dukakis, mit der “Willie Horton Kampagne”, erfolgreich mit übelstem Anzeigen-Dreck bewarf . Später diente er dann auch, kaum überraschend,  G.W. Bush.

Schon früh war Donald Trump von dem ruchlosen Gebaren dieses Herrn begeistert, und setzte ihn ab 1996 in seinem Casino-Business ein.
Als Donald Trump die Lügen über die fehlende US-Staatsbürgerschaft Barack Obamas verbreitete, war Stone wieder mit dabei.
Aber auch prominente Demokraten wie Adam Schiff, Eric Swalwell und Dennis Heck wurden das Ziel von ungerechtfertigten persönlichen Angriffen Stones.

Zu den Herausgebern der rechtslastigen Verschwörungsseiten wie Infowars, Breitbart.com, Obama Citizenship Theories hatte er beste Verbindungen und natürlich zu Jerome Corsi einer erbärmlichen rechtslastigen US-Verschwörungs-Theorie-Figur.

Puffmutti unterstützt
Auch war er sich nicht zu schade, die Kampagne einer Puffmutter namens Kristin M. Davis –  bekannt aus einem Prostitutionsskandal  – und ihre libertinäre Partei bei den Gouverneurswahlen in New York 2010 zu unterstützen, mit dem einzigen Ziel, dem Demokraten Andrew Cuomo damit Stimmen abzujagen, um so dem Republikaner Carl Paladino  zu helfen –  allerdings vergeblich.

Ideale Besetzung
Klar, dass so ein Mann die ideale Bestzung für Trumps Wahlkampf war, insbesondere als es darum ging, die Gegnerin Trumps, Hillary Clinton, zu diskreditieren.

Wikileaks-Russland-Connection
Und nun kam eine Verbindung zustande, die der bereits benannte Robert Mueller untersucht: Die Wikileaks-Russland- Connection und damit die E-Mail Veröffentlichungen.

WikiLeaks, Assange und Guccifer2.0
Für derartige Drecksarbeit, die persönlichen E-Mails der Präsidentschaftskandidatin zu hacken und zu veröffentlichen, konnte es wiederum  keine bessere Person geben, als Roger Stone. Und so war er es dann auch, der Kontakt zu Wikileaks aufnahm, hergestellt über einen Journalisten names Randy Credico.  Zwei ehemalige Mitarbeiter Trumps, und mit Stone befreundet, darunter Sam Nunberg, bestätigten gegenüber der Washington Post diese Kontakte und Telefonate zwischen Stone und Wikileaks-Gründer Julian Assange.
Sie bestätigten auch, und dass über Clintons E-Mails in den Telefonaten gesprochen worden sei, die Wikileaks zugespielt bekam, angeblich von russischen Hackern im Auftrag des russischen Geheimdienstes GRU. Aber auch direkten Kontakt zu einem russichen Hacker namens Guccifer 2.0 , ein Deckname für einen russischen Geheimdienst-Mitarbeiter, hatte Stone offenbar.

Tiefer gehts nimmer
Als es eng wurde für ihn, dank der Aufklärungsarbeit Muellers, und ausserdem investigative Journalisten von CNN, New York Times und Washington Post sich an seine Fersen hefteten, machte Stone es wie Trump: Beschimpfungen über Twitter in einer vulgar- primitiven, unverschämten, rassistischen und drohenden Weise.

Kostproben:
„entitled diva bitch“, “ imagined killing herself“, „stupid negro“ „fat negro“.

sodass Twitter schliesslich seinen Account sperrte.
Mueller zog das Netz weiter zu, und brachte Stones Medien-Consultant namens Jason Sullivan vor Gericht.

Noch nicht alles

Bleiben wir noch ein wenig bei Stone: so eine dreckige, schmierige, hinterhältige Figur, die von republikanischen Präsidentschaftskandidaten – und nicht nur denen – gerne als Mann fürs dreckigste Grobe benutzt wurde, läuft einem ja nicht alle Tage über den Weg.
Natürlich muss ein solcher Herr, der den radikalen Christen in den USA nahesteht, und deren Ideale lauthals vertritt, auch eine sexuell dunkle Seite haben, das gehört einfach dazu. Und  siehe da: Während des Wahlkampfs 1996, wo er den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Bob Dole unterstützte, tauchten Anzeigen in Swinger-Zeitungen auf, wo Stone für sich und seine zweite Ehefrau ein “gleichgesinntes Paar für stürmisch-schöne Stunden” suchte. Er stritt ab, wurde aber überführt, und musste seine Kampagnenunterstützung für Dole einstellen..

Eine kriminelle Sekte
Was fehlt ist jetzt eigentlich nur noch enger Kontakt zu einer Sekte.
Und siehe: auch das kann Stone “liefern”.
Die Sekte für die Stone eine Zeit lang als Lobbyist und Unterstützer tätig war, heisst Nexium (NXIVM). Deren Gründer, Keith Raniere, ist zur Zeit im Gefängnis zu besuchen.

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Keith Raniere

Der fing bei Amway an, einer MLM Gesellschaft, über die hier schon mehrfach berichtet wurde, deren Chef der Ehemann der Trump-Ministerin Betsy DeVos ist.
Dort erlernte Raniere das Handwerk von MLM Gesellschaften, gründete flugs eine eigene, die allerdings sofort die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft erregte. Also was anderes machen.
Da kam er auf die Idee, Kurse zur Stärkung des Sebstbewusseins anzubieten – Executive success –  und nannte  als Ziel.:

main emphasis is to have people experience more joy in their lives.“

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Und er hatte Erfolg damit, denn die Liste der Teilnehmer (einige streiten das heute ab) ist schon erstaunlich:
Sheila Johnson, Antonia Novello, Stephen Cooper ( Enron), Ana Cristina Fox( Tochter des ehemaligen mexikanischen Präsidentem Vicente Fox), Richard Branson (Virgin Companies) später bestritt er das, Linda Evans, Allison Mack, Kristin Kreuk, Grace Park, Nicki Clyne, und Sarah Edmondson. Seagram-Erben Clare and Sara Bronfman, Töchter von Edgar Bronfman Sr.,

Selbst der Dalai Lama liess sich nicht lumpen, und stattete diesem obskuren Verein einen Besuch ab.

Und nun wird’s richtig kriminell: Frauen wurden aus den Kursen als Sex-Sklavinnen  rekrutiert und bekamen das Nomogram für Nexium in die Haut geritzt, fachmännisch durch einen Arzt.

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Dieser ganze kriminelle Sektenschwindel flog schliesslich auf, nachdem in der überregionalen Presse, darunter die New York Times, Enthüllungsberichte erschienen.

Steigerung der Angriffe
In dem Masse, wie  Muellers Netz sich zusammenzog,  steigerte Trump seine Angriffe gegen Mueller, der nämlich genau das tat, was Trump im Wahlkampf versprochen hatte: den Polit-Sumpf in Washington trockenzulegen, aber in einer völlig anderen Weise, als Trump – neben Stone offenbar die grösste Sumpfblüte in Washington D.C. – sich das so vorgestellt hatte.

Klar dass ein Mann wie Mueller weg muss. „Sumpfblüte“ Trump setzt alles daran, dass dieser Sumpf nicht weiter trockengelegt wird. Mueller hat schon viel zu viel drainiert. Aber immer wieder kamen Trump politische oder persönliche Unpässlichkeiten in die Quere, die es opportun erscheinen liessen, Mueller noch nicht zu feuern. Nun könnte es ohnehin bald zu spät sein, denn sein Abschlussbericht dürfte alsbald fertig sein.

Ein Impeachmentverfahren rückt näher.

2 Gedanken zu “USA: Verhaftung von Präsident Trumps Wahlkampfberater Roger J. Stone

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