Die Europawahl, der globale Klimawandel, und der globale Umweltschutz

Dr. Alexander von Paleske —–    23.5. 2019  —-  Der Klimawandel und der Umweltschutz spielten im Wahlkampf zur Europawahl eine immer grössere Rolle – ausser bei der AfD.


In Deutschland lässt sich allerdings in Debatten und Talkshows, beobachten, dass vorwiegend über Deutschlands Verfehlung der Klimaziele für 2020 (Deutschland muss seine Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um 14 Prozent senken – im Vergleich zu 2005)   gestritten wird, wie auch über die Sinnhaftigkeit einer CO2- Steuer.


Massnahmen wie Ende der Kohleverstromung, CO2-Steuer, und Förderung der Elektromobilität sind prinzipiell richtig, aber isoliert letztlich – angesichts des Anteils von 2%  Deutschlands am globalen CO2 Ausstoss – wenig relevant, wenn die grössten CO2-Ausstosser, also China, Indien und die USA, nicht ebenfalls ihre Emissionen drastisch reduzieren, also nicht weiterhin in grossem Umfang fossile Energie verfeuern.

Nur global erreichbar

Es zeigt sich erneut in aller Deutlichkeit:: Der Klimawandel kann nur gobal gestoppt werden – und das ist dringender denn je.

2%-Land Deutschland
Deutschlands Aufgabe muss es deshalb sein, sein, mit gutem Beispiel vorangehen,

  • weil Deutschland dadurch beweist, dass in einem Industrieland eine drastische CO2-Reduktion technisch möglich und preislich vertretbar ist
  • weil es beweist, dass es sich strikt an die gesetzten Klimaziele hält, und dies deshalb auch von den anderen Ländern des Pariser Klimaschutz-Abkommens fordern kann.

Enorme Gefahren – aber in den Hintergrund
Neue Daten zeigen, dass die Erhöhung des Meerwasserspiegels schneller voranschreitet, als bisher angenommen, und in 80 Jahren bereits 2 Meter betragen wird, wenn es so weitergeht. Die Folgen wären katastrophal. Selbst New York würde teilweise im Meer versinken.


Für einen zügigen Stopp des Klimawandels stehen die Chancen allerdings schlechter denn je: Statt Massnahmen gegen den Klimawandel, hat der US- Präsident und Klimawandel-Leugner Donald Trump das Pariser Klimaschutz-Abkommen gekündigt, und dazu eine Art Handelskrieg mit China losgetreten,

Dann die von Trump angeheizte Krise im Persischen Golf, keinerlei Fortschritte in den Verhandlungen mit Nordkorea, und die Spannungen zwischen den USA und Venezuela.
Resultat: Der Kampf gegen den Klimawandel tritt in den Hintergrund – trotz der  enorm wichtigen Freitags-Demonstrationen der Schüler .


Hinzu kommen noch die Probleme in Europa: Grossbritannien steckt in einer politischen Krise ohnegleichen: Premier Thereas Mays Tage scheinen gezählt, die Nationalpopulisten wie Nigel Farage sind auf dem Vormarsch – nicht nur in Grossbritannien – und die leugnen entweder den Klimawandel, oder dass dieser menschengemacht ist, oder sie bagatellisieren ihn durch Herausstellung des vergleichsweise geringen Beitrags der jeweiligen europäischen Nationalstaaten an den globalen CO2 Emissionen.

Brandrodung  im Amazonas


Nicht nur CO2-Ausstoss in Deutschland
Aber neben den dem direkten Beitrag Deutschlands zum Klimawandel
gibt es auch den indirekten, und der spielt in den Diskussionen keine, oder aber aber keine signifikante Rolle, obgleich auch hier enormer Handlungsbedarf besteht:

  1. Durch geeignete Massnahmen die Abholzung der Regenwälder sofort zu stoppen. 
  2. Den Artenschutz nicht nur national sondern global voranzutreiben.

 Die Abholzung der Regenwälder  -12 Millionen Hektar allein im letzten Jahr –  treibt ebenfalls den Klimawandel. Damit oftmal verbunden die Brandrodung, wodurch Treibhausgase freigesetzt, die Umwelt verpestet, indigene Bewohner ihrer Lebensgrundlage beraubt, und ganze Tierarten ausgerottet werden


Dabei fokussiert sich der Abbau auf drei Regionen: Südamerika/Amazonas, Zentralafrika und Südostasien (vor allem Indonesien).

Protestierende Indigene aus dem Amazonas


Riesen-Nachfrage als Brandbeschleuniger
In allen Fällen sind es wieder die Indusstrienationen, die durch ihren Riesen-Bedarf diese Riesenzerstörung vorantreiben.

In Brasilien ist es vor allem die Produktion von Soja, das bei der Massentierhaltung in Europa und den USA zum Einsatz kommt. Solange der Riesenbedarf nach Soja für die Massentierhaltung besteht, wird es kein Nachlassen des Hungers nach neuen Agrarflächen zum Sojaanbau geben.

Verschlimert wird das alles noch durch Brasiliens Präsident Bolsonaro – auch er ein Klimawandelleugner – der bedenkenlos die Amazonas Regenwälder zum Abholzen freigibt.

Gleiches gilt fuer die Rinder-Massenproduktion, die ebenfalls erheblich zur Emission von Treibhausgasen beiträgt. Die Einschränkung und schliesslich Abschaffung der Massentierhaltuing, und die drastische Reduktion des Fleischkonsums in den Industrieländern steht deshalb dringender denn je auf der Tagesordnung.


Auf dem Holzweg

Nicht weniger trägt die Nachfrage der Industriestaaten nach Harthölzern zur Möbelherstellung und im Baugewerbe   zur rücksichtslosen Abholzung der Regenwälder bei. Nicht nur im Amazonas, sondern auch in Zentralafrika und Südostasien.
Alle diese Harthölzer können durch Metall bzw. Weichhölzer, wie Fichte, ersetzt werden

Von Forstwirtschaft keine Rede

Eine wirkliche Forstwirtschaft von Regenwäldern gibt es nicht: sobald der Regenwald weg ist, ist er unwiederbringlich verloren. Die von bestimmten Organisationen wie FSC verteilten Zertifikate, angeblich ökologisch-verträglicher Forstwirtschaft, sind nach Greenpeace von zweifelhaftem Wert.  

FSC Boss Carstensen    …..Greenpeace nicht mehr dabei


Wenn überhaupt wieder aufgeforstet wird, dann sind es schnellwachsende Eukalyptusbäume, die nichts zur Stabilität des Oekosystems beitragen, und schliesslich zu Toilettenpapier verarbeitet werden.

Hunger nach Palmöl
Ein weiterer Zerstörer des Regenwaldes ist der Bedarf „Hunger“ nach Palmöl, nicht nur in Speisefett, sondern in vielen Kosmetika enthalten  –  aber nicht notwendigerweise.

Die Einfuhr von Palmöl muss drastisch reduziert werden. Auch die Zertifikate aus angeblich umweltschonender Produktion sind oftmals nichts wert. Die Brandrodung und Neu-Anpflanzung von Palmen geht unvermindert weiter angesichts  der anhaltenden enormen Nachfrage nach Palmöl.

Wer also davon redet, den Klimawandel zu stoppen, und die Artenvielfalt zu erhalten, muss auch fordern, global-radikale Einfuhrverbote zu verhängen.

Bedrohung der Meerestiere durch Raubfischerei
Wird also der Klimawandel durch die rücksichtslose Regenwaldrodung befördert, und die Artenvielfalt vermindert, so sind es bei den Meerestieren die Verschmutzung mit Plastik und die radikale Ueberfischung dort, wo der Fischfang entweder nicht – wie innerhalb der EU – geregelt ist, oder durch Korruption ausser Kraft gesetzt wird.
Bestes Beispiel: Westafrika.
In diesem fischreichen Gebiet hat die rücksichtslose Ueberfischung und der radikale Fischfang mit Schleppnetzen zwischen zwei Fischerbooten beängistende Ausmasse erreicht.
Die Fischer in den Küstenregionen der westafrikanischen Länder von Senegal bis Sierra Leone schauen hilflos zu, wie Fischereiboote und Fabrikfangschiffe ihre Fanggründe leerfischen.

Von Senegal aufgebrachter rostiger Fischtrawler

Staatliche Stellen haben keinerlei Möglichkeiten, einzugreifen, weil ihnen die Schnellboote fehlen, um diese Raubfischer zu vertreiben. Sierra Leone besitzt für seine mehrhrere Hundert Kilometer lange Küste ein einziges Polizeiboot. Selbst wenn dies ausfährt, werden die illegalen Fischer durch bestochene Helfer an Land gewarnt, und können so rechtzeitig das Weite suchen.

Fehlende Entwicklungshilfe
Entwicklungshilfe der EU in der Form von Polizeibooten wäre sinnvoll – aber sie kommt nicht. Denn die Geberländer profitieren von diesem Raubbau.
Hier ein paar Zahlen:

  • Die Fischfangerträge des Senegal hben sich in zehn Jahren von 220.000 Tonnen auf 120.000 Tonnen fast glatt halbiert.

Zwar sind die Fabrikfangschiffe aus der EU gehalten, die 19km Zone strikt einzuhalten, die ausschliesslich lokalen Fischern vorbehalten ist, aber die Überfischung ausserhalb dieser Zone macht sich gleichwohl auch innerhalb der Zone mehr als deutlich bemerkbar.

Ausserdem gibt es eine Reihe von Trawlern, die insbesondere bei Nacht in die Verbotszone eindringen. Die Eigentümer dieser verrosteten „Seelenverkäufer“ sind irgendwelche Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen, um die wahren Eigentümer zu verschleiern.
Der Schaden, der durch diese illegale Fischerei hervorgerufen wird, liegt im Falle Sierra Leones, einem der ärmsten Länder Westafrikas mit einer langen Bürgerkriegsgeschichte, bei rund 30 Millionen US Dollar pro Jahr. Der ökologische Schaden riesig 

50 Fabrikfangschiffe, deren grösste Einheiten bis zu 250 Tonnen Fisch pro Tag fangen und verarbeiten können, kreuzen vor der Küste Mauretaniens, darunter 30 bereits aus Ländern wie China, Indien und Belize.

Was 56 der kleinen mauretanischen Fischerboote in einem Jahr fangen, das fischen und verarbeiten diese Frabrikschiffe in einem Tag.

Mittlerweile kommen 25% der Fische, die in Europa auf dem Esstisch landen, aus Gewässern der Dritten Welt.

Die Überfischung der eigenen Gewässer wird „exportiert“, mit katastrophalen Folgen:

  • Zerstörung der Existenzgrundlage der lokalen Fischerei
  • Verhinderung des Aufbaus einer Fischverwertungsindustrie
  • Verminderte Versorgung der lokalen Bevölkerung mit proteinreichem Fisch
  • Schliesslich Kollaps der Fischgründe durch Überfischung
  • Hungersnöte

In Senegal leben rund eine Million Menschen direkt und indirekt vom Fischfang.

Fazit:
Drastische C02 Reduktion ist dringend erforderlich, auch in Deutschland.
Stopp des Klimawandels, Schutz der Artenvielfalt und der Oekosysteme geht allerdings weit über die unmittelbare Reduzierung des CO2-Ausstosses hinaus. Enorme globale Anstrenungen sind nötig und dringend. Dazu gehört vor allem auch die drastische Reduzierung der Importe von Hartholz, Soja und Palmöl, parallel dazu die Reduzierung und schliesslich Abschaffung der Massentierhaltung.

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