Whistleblower – im Namen des Volkes

Dr. Alexander von Paleske        —-     30.9. 2019   ——-

Zur Zeit macht ein Whistleblower Schlagzeilen, der ein Telefonat zwischen US- Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selensky bekannt machte.
Der Inhalt ist hochexplosiv, weil er den dringenden Verdacht zulässt, dass Trump offenbar durch Erpressung versuchte, sich der Hilfe eines ausländischen Staates – der Ukraine – zu bedienen , um seinem potentiellen Demokratischen Gegner im Wahlkampf um die Präsidentschaft, Joe Biden,zu schaden.

Joe Bidens Sohn Hunter hatte eine Stelle im Aufsichtsrat einer ukrainischen Firma Burisma Holdings innegehabt; eine Firma, die unter Korruptionsverdacht steht, die Ermittlungen aber eingestellt worden waren. Hier sollte Selensky durch Wiederaufnahme der Untersuchungen Hilfestellung in der Schmutzkampagne leisten.

Absetzungsverfahren geplant
Die Demokraten wollen nun ein Absetzungsverfahren (Impeachment)gegen Trump in Gang bringen.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Whistleblower ein Absetzungsverfahren gegen einen US-Präsidenten in Gang bringt: schon gegen Richard Nixon wurde in der Watergate Affäre durch einen Whistleblower mit dem Decknamen “Deep Throat” und der Veröffentlichung der infos in der Washington Post ein Absetzungsverfahren in Gang gebracht. Nixon trat zurück, bevor das Verfahren abgeschlossen war.

Noch ein Whistleblower
Zur selben Zeit kommt die Geschichte einer anderen Whistleblowerin in diesem Monat in die englischsprachigen Kinos, und nächsten Monat auch nach Deutschland :

Official Secrets” der Titel des Films.  

Es ist die Geschichte von Katharine Gun, einer jungen Frau, angestellt bei der britischen Intelligence Agency GCHQ, die durch ihre dort gewonnenen brisanten Infos, und deren Weitergabe an die Presse, versuchte, den Irakkrieg im Jahre 2003 zu verhindern.

Katharine Gun, geboren 1974, die Eltern Briten,  wuchs in der chinesischen Provinz Taiwan auf, ging dort zur Schule und studierte nach dem Ende der Schulzeit an der Universität in Durham
Japanisch und Chinesisch. Nach dem Abschluss wurde sie als Uebersetzerin von der Intelligence GCHQ rekrutiert .

Katharine Gun

Schmutzige Pläne
Im Jahre 2003, nur Wochen vor dem Irakkrieg, gelangte Katharine Gun in den Besitz eines streng geheimen Dokuments, worin Pläne entwickelt wurden,  die Kommunikation von Delegierten des UN-Sicherheitsrates abzuhören., nicht nur Dienstgespräche sondern auch Privates. Mit diesen Erkenntnissen sollten dann unentschlossene Mitglieder des UN-Sicherheitsrates erpresst werden.

Damals bemühten sich sich die USA im Verein mit Grossbritannien, eine Resolution des UN-Sicherheitsrates durchzudrücken, die einen Einmarsch in den Irak absegnen sollte. Zu diesem Zweck legte der damalige US- Aussenminister Colin Powell dem UN-Sicherheitsrat Dokumente vor, die nachweisen sollten dass der Irak immer noch im Besitz von Massenvernichtungsmitteln sei – gefälschte Dokumente, wie sich später herausstellte.

Verweigerung der Kriegsteilnahme
Deutschland (Bundeskanzler Schröder) und Frankreich (Staatspäsident Jacques Chirac) verweigerten aus guten Gründen die Teilnahme an dem Kriegsabenteuer, das dann den Nahen und Mittleren Osten total destabilisieren sollte, mit nicht endenwollenden Kriegen und riesigen Flüchtlingsströmen.

Der in der vergangenen Woche  verstorbene französische Präsident Chirac hatte den britischen Premier Tony Blair noch gewarnt: Er, Blair solle nicht glauben, die Iraker würden die Invasoren mit offenen Armen empfangen. Er, Chirac habe bereits im Algerien-Krieg gekämpft , und wisse, wovon er rede.
Die Antwort Blairs zu senen Beratern: Armer alter Chirac, er weiss gar nichts mehr.

Veröffentlichung in der Presse
Katharine Gun reichte das brisante Dokument an die linksliberale britische Sonntagszeitung Observer 
weiter. Dort waren die Chefredakteure Roger Alton (heute Daily Mail)
und Kamal Ahmed (heute BBC) 
strikt gegen eine Veröffentlichung; sie unterstützten den Kurs der Blair-Regierung.
Die Mehrheit der Journalisten in der Nachrichtenredaktion jedoch war dafür.

Dank der Beharrlichkeit des investigativen Journalisten Martin Bright  veröffentlichte schliesslich der Observer das Dokument, das wie eine Bombe einschlug, zwei Wochen vor dem Einmarsch in den Irak, aber den mit dreisten Lügen über Massenvernichtungswaffen gerechtfertigten Irakkrieg letztlich doch nicht stoppen konnte, wohl aber eine Absegnung durch den UN-Sicherheitsrat.

Was danach geschah
Um zu verhindern, dass eine Hexenjagd in der Spionagebehörde GCHQ stattfindet, bekannte sich Frau Gun zu ihrer Tat, wurde verhaftet und von einem Mitglied der Spionageabwehr verhört.

Sie arbeiten für die britische Regierung , wie können Sie so etwas tun?”

Frau Gun antwortete :


“ Ich arbeite für das Volk Grossbritanniens. Ich sammele nicht Informationen, welche die Regierung benutzt, um das Volk zu belügen”.


Zu einem Prozess und einer Verurteilung kam es nie, weil ihr Anwalt,.Ben Emmerson, drohte, die legale Basis für diesen Krieg zum Thema zu machen. Gun plädierte nicht schuldig und bekannte sich weiter öffentlich zu ihren Taten:
Eine halbe Stunde nach Eröffnung wurde das Verfahren eingestellt, da die Anklagebehörde unter Lord Goldsmith keinerlei Beweise zu ihrer Position vorbrachte, vorbringen konnte. Vermutlich fürchtete die GCHQ und die britische Regierung einen politischen Prozess, der die Lügen der Regierung offengelegt hätte.

Frau Gun verlor ihre Stelle, bewarb sich erfolglos für viele andere Jobs. .
Schliesslich verliess sie zusammen mit ihrem Mann, der aus Kurdistan stammt, das Land und zog in die Türkei.
Vor der jetzt anstehen Premiere des Films gaben Martin Bright und Katharine Gun mehere Interviews, in denen sie auch gefragt wurden, wie man sich gerade im gegenwärtig aufgeheizten politischen Klima verhalten solle

Die Antwort:

Was immer auch Dein Job ist, mache ihn gut, und wenn Du ein Journalist bist, prüfe Deine Quellen sorgfältig und glaube vor allem nicht, was Politiker Dir erzählen. Und wenn Du für die Regierung arbeitest, kläre, wofür Du wirklich arbeitest, und denke sorgfältig über Deine Verantwortung nach.“

Genau das hat der Whisleblower aus dem Weissen Haus auch getan.

Es dürfte sich lohnen, diesen Film zu sehen, der bald auch nach Deutschland kommt.

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