Wie Reformen einer SPD-Ministerin aus Arztpraxen Profitcenter machen

Dr. Alexander von Paleske —– 30.1. 2020 —–

Ulla  Schmidt, MdB,  Gesundheitsministerin von 2001 – 2009, ehemalige Lehrerin, und einst Mitglied der GUV des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW), die dann  zu einer Sozialdemokratin im rechten Spektrum dieser Partei, genannt Seeheimer Kreis, mutierte, zeichnet für drei der schlimmsten Reformen im Gesundheitswesen verantwortlich:

– die Einführung der Fallpauschale

– die Aufhebung des Verbots mehrerer Arztsitze pro Arzt.

– die Abschaffung  kleinerer  Krankenkassen

Die Konsequenzen dieser unseligen Reformen wurden hier  bereits in mehreren Artikeln hier beschrieben.

Insbesondere die Einführung der Fallpauschale hat dazu geführt dass:

  •  Unnötige – aber lukrative – Operationen vermehrt durchgeführt werden
  • Multimorbide Patienten, die den Krankenhäusern nichts einbringen, rasch und damit vorfristig wieder entlassen werden.
  • Kleinere bürgernahe Krankenhäuser in die Insolvenz getrieben werden,weil sie gerade auch vermehrt die multimorbiden Patienten aufnehmen, gleichzeitig aber bestimmte lukrative Eingriff nicht vornehmen dürfen –  mangels Fallzahl.
  • Selbst ausbehandelte Krebspatienten in ihren letzten Lebenstagen noch gut bezahlte, aber hinsichlich einer Lebensverlängerung nutzlose Behandlungen bekommen.
  • Hochbetagte  Patienten aus Pflegeheimen auf Intensivstationen verlegt und beatmet werden, weil dies die Ladenkasse der Kliniken so richtig zum Klingeln bringt.
  • Die Verwaltung  vieler Kliniken mit ihren Flanellmännchen den Ärzten Druck macht, bestimmte Vorgaben an lukrativen OP oder Eingriffen pro Zeitraum durchzuführen, immer verbunden mit der Drohung, die Klinik müsse sonst dichtmachen
Reformerin Ulla Schmidt

Noch nicht alles

Als wäre das nicht schon genug.  verfügte Frau Schmidt   2003 auch noch die  Aufhebung des Verbots mehrer Arztsitze pro Arzt. Diese Massnahme  hat mit einiger Verzögerung ebenfalls zu nachteiligen Folgen geführt: für die Patienten, aber auch für die Krankenkassen.

Bis dato durfte ein Arzt nicht mehrere Arztsitze haben. Arztsitze für Kassenärzte wurden und werden  nach Bedarf  von den Kassenärztlichen Vereinigungen zugewiesen.

Wenn ein Arzt seinen Arztsitz aufgeben wollte, so ging das nur an einen Nachfolger, der selbst noch keinen weiteren Arztsitz hatte.

Ministerin Schmidt  öffnete die Schleusen:  von nun an konnten Ärzte ihren Arztsitz an einen anderen Arzt, der schon einen Arztsitz hatte, verkaufen, um dann entweder nicht weiterzupraktizieren, oder aber als Angestellte(r) des neuen Inhaber-Kollegen.

Ministerin Schmidt’s  Reform  war auch das Einfallstor für Pharmafirmen und Hersteller von sonstigen Medizinprodukten, die insbesondere daran interessiert waren, ihre Produkte ohne lästige Konkurrenz  absetzen zu können. Das gilt in erster Linie für  nach wie vor hoch lukrative Dialyse-Praxen, und es begann mit einem Paukenschlag: Prof. Werner Kleophas, der die grösste Dialysepraxis in Düsseldorf  leitete,  das Sprachrohr ungebundener Nephrologen, verkaufte 2013 an DaVita,  und bezog eine Spitzenstellung in diesem US Konzern mit einem Umsatz von mehr als 14 Milliarden US-Dollar

Für DaVita war es erst der Anfang in Deutschland, andere Konzerne wie Fresenius und Braun griffen ebenso zu. Heute ist der Anteil der im Nephrologenbesitz befindlichen Dialysepraxen von rund 60% deutlich gesunken. Genaue Zahlen gibt es nicht. Während der übliche Verkaufspreis einer Praxis bei dem dreifachen des Jahresgewinns liegt, bieten  Konzerne bis zum Sechsfachen:  keine Chance für nicht gebundene Nephrologen hier mitzubieten.

Geht es bei den Dialysepraxen um den Absatz von Dialyseapparaten, Filtern, Dialyseflüssigkeiten, und sonstigen medizinischen Bedarf, so  geht es bei den Onkologen um die “richtige““ Verschreibung von Krebsmitteln, und um die Zubereitung der Medikamente durch Apotheken. Auch hier bildete sich ein Zusammenschluss einiger Apotheken, die versuchten, das Geschäft zu monopolisieren, und Praxen zu übernehmen, um damit ihren Absatz und ihre Dienstleistung zu sichern. Da nur Ärzte derartige Praxen führen dürfen – aber  dank SPD-Ulla Schmidt auch Krankenhäuser – kaufte man sich einfach ein kleines Krankenhaus, sozusagen als Türöffner,  und dann ging  es richtig in die Vollen. Angeblich soll auch noch massive Korruption im Spiel gewesen sein.

Nachdem  ein Insider ausgepackt hatte, setzte sich die Staatsanwaltschaft in Bewegung, mehrere onkologische Praxen wurden durchsucht, Unterlagen beschlagnahmt.

Die Neuen

Und nun hat sich noch eine weitere Gruppe für diesen Niedergelassenenbereich interessiert:  Investoren, darunter  Hedgefonds, die nicht ihre Produkte absetzen wollen, sondern denen es  um  “Raushole” geht .

WamS vom 19.1. 2020

Auch hier war natürlich die SPD-Genossin Ulla mit ihrer Gesetzesänderung ausserordentlich hilfreich:  mittlerweile gibt es ganze Ketten. ganze MVZ’s, die von diesen Investoren an “interessante Objekte” angesehen werden.

Die MVZ

Starten wir mit den Medizinischen Versorgungszentren (MVZ).

Idealerweise sind das Zusammenschlüsse von Aerzten, die gemeinsam den Verwaltungskram erledigen, gemeinsam Praxisbedarf einkaufen,  gemeinsam  bessere Preise aushandeln koennen. So weit so gut.

Aber eine Reihe von  MVZ sind von den Finanzinvestoren  “gekapert” worden, die Ärzte werden zu Angestellten der MVZ’s. Ähnelt dann äusserlich sehr den Ambulatorien der DDR,  nach der Wende als Sinnbild des Sozialismus verteufelt , und  die den Praxen der niedergelassenen Ärzte Platz machen mussten . Der Staat und die Kommunen weigerten sich, diese „sozialistischen“ Ambulatorien weiter zu betreiben.

 Nun kommen sie wieder , allerdings nicht mehr im sozialistischen Gewande, sondern im kapitalistischen Outfit. Die Bilanz:

  • 2018 gab es bereits 3200 solcher Facharztzentren, mit 18.000 angestellten Ärzten von insgesamt 94.000
  • Auch die Zahnärzte blieben von dieser Entwicklung nicht unberührt: bereits 900 solcher Zentren gibt es heuer.

Wer sind die Investoren?

Und die kommen nicht etwa, um das Gesundheitswesen in Deutschland zu verbessern, sondern suchen lukratives Investment.

Sagt Philippe Jacobs von der Reimann Gruppe:

Die Zahnarztbranche steckt in Sachen Industrialisierung noch in den Kinderschuhen. Indem wir das ändern, können wir Mehrwert schaffen….

Den Ärzten werden nicht selten klare Vorgaben gemacht, Druck ein anderes Wort dafür.

Zum Beispiel Augenärzte: Da wurden offenbar auch mal lukrative Katarakt-Operationen ausgeführt obwohl angeblich keine absolute oder  akzeptable relative Indikation bestand.

Das nahm offenbar solche Ausmasse an, dass die Staatsanwaltschaft einschritt  und Praxen durchsuchte, Unterlagen beschlagnahmte (es gilt die Unschuldsvermutung).  Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass sich eine gleiche Entwicklung wie in den Krankenhäusern abzeichnet: Ärzte drohen zu “Bütteln” der “Flanellmännchen” zu werden,  angeblich auch mit guter Entlohnung und Boni geködert..

Frau Schmidt  selbst kann es sich leisten, natürlich nur in beste Hände sich zu begeben: Sie muss nicht nur mit ihrem  “lumpigen”  Abgeordnetengehalt  dahindarben: Nein, sie  hat jede Menge Nebeneinnahmen aus Beratertätigkeit: nicht für die Arbeiterwohlfahrt, sondern für Konzerne aus dem Pharma- und Pflegebereich  Wie schön.

Danke SPD-Genossin Ulla für Deine so  segensreiche Tätigkeit als Gesundheitsministerin. Danke auch im Namen von Pharma- und Investmentgesellschaften, sowie bestimmten Apothekern.

Zu Ulla Schmidt

SPD-MdB Ulla Schmidt: Warum ich noch einmal richtig zulange

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Ministerin Ulla Schmidt: Nie wieder unter Hartz IV- Bedingungen leben

link

SPD-Ulla Schmidt schreibt an SPD-Hoffnungsträger Peer Steinbrück

2 Gedanken zu “Wie Reformen einer SPD-Ministerin aus Arztpraxen Profitcenter machen

  1. Und dann den Schweine Grippe organisierte die Frau auch, ebenso zu einem privaten Vortrag, fuhr der Dienstwagen nach Madrid, wo ein Flug,+ Taxi 100 mal billiger gewesen wäre

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