Der Afghanistankrieg geht zu Ende: Waffenstillstandsabkommen zwischen Taliban und den USA

Dr. Alexander von Paleske —— 29.2. 2020 —–

Heute in Doha/Katar: nach langen Verhandlungen geht der Afghanistan-Krieg zu Ende: zunächst mit einem  Waffenstillstand, nach erfolgreicher Reduktion der Gewalt über eine Woche.

 Wie seinerzeit im Vietnamkrieg, werden die USA und ihre Verbündeten sich aus Afghanistan zurückziehen.

Delegation der Taliban heute in Doha
Vertragsunterzeichnung

Vietnamkrieg grüsst

Wie in Vietnam sind sie geschlagen, denn  sie haben ihr Kriegsziel, die Taliban für immer aus Afghanistan zu vertreiben, nicht erreicht, ganz im Gegenteil! Trotz der US-Kriegsmaschinerie, trotz des Hineinpumpens von 1,2 Billionen(!) US- Dollar fast aussliesslich in den Krieg,  haben die Taliban den Krieg schliesslich für sich entscheiden können. Das machte der Taliban-Verhandlungsführer, Abdul Ghani Baradar, heute bei der Vertragsunterzeichnung noch einmal deutlich.

Die Taliban beherrschen mittlerweile grosse  Teile des Landes, und bauten eine Art Zivilverwaltung dort auf.

Die von den USA und ihren Verbündeten alimentierte, durch und durch korrupte afghanische Regierung, war beim Volk zunächst unbeliebt, schliesslich verhasst.

Viele Opfer

Der Krieg hat nicht nur Zehntausende von Todesopfern unter der Zivilbevölkerung gefordert, sondern auch Zehntausende in die interne und externe Migration getrieben.

Die Deutsche Bundesregierung beginnend mit der rot-grünen Koalition,  in unreflektierter Nibelungentreue zu den USA,  hat sich mit eigenen Truppen an dem Krieg beteiligt: 53 Bundeswehrsoldaten sind dort gestorben, Hunderte physisch und/oder psychisch traumatisiert nach Deutschland zurückgekehrt.

Beihilfe zu Kriegsverbrechen

Deutschland hat sich offenbar der Beihilfe zu Kriegsverbrechen schuldig gemacht: in dem Bundeswehrstützpunkt Mazar e Sharif waren bis zu 300 US-Soldaten untergebracht, und zwar Todesschwadronen mit dem Namen „Task Force 373„, direkt dem US-Verteidigungsministerium unterstellt, die von dort zu  nächtlichen Erschiessungen von vermuteten Taliban starteten. Inwieweit Deutsche Truppen der KSK auch daran beteiligt waren, ist nicht bekannt, kann aber kaum ausgeschlossen werden.

Die SPD im Verein mit den Grünen, und hier an vorderster Front auch das ehemalige “Schimpfmaul” gegen den Krieg der USA in Vietnam, der Grüne Aussenminister Joseph Martin (Joschka) Fischer, haben diesen Einsatz immer wieder über 19 Jahre abgesegnet. Sie haben, so wie schon zuvor in den Balkankriegen, ihr Friedensgesicht verloren, nicht nur einmal.

Medien versagt

Die Deutschen Medien haben jämmerlich versagt. Noch 2009, als bereits klar war, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist, haben Zeitungen wie die ZEIT, nach eigenem Verständnis ein “Bollwerk des liberalen Journalismus”,  an der Spitze der Herausgeber Josef Joffe und die Universalreporterin Andrea Böhm, frech behauptet, Berlin würde in Afghanistan verteidigt. Kriegsgeheul statt tiefschürfender Analyse.

Wie geht es weiter?

Die ausgehaltene korrupte Regierung in Kabul kann, wie seinerzeit die südvietnamesische Regierung in Ho Ch Minh-Stadt (Saigon), den Krieg selbst nicht mit Aussicht auf Erfolg weiterführen., Sie war jetzt  bei dem Abschluss des Waffenstillstands, und bei den vorausgehenden Verhandlungen, erst  gar nicht beteiligt. So wenig wie seinerzeit die südvietnamesiche Regierung bei den Friedensverhandlungen in Paris zwischen US-Aussenminister Henry Kissinger und dem nordvietnamesischen Verhandlungsführer Le Duc Tho.

In den nun anstehenden Friedensverhandlungen werden sich  die Taliban praktisch  in allen Punkten durchsetzen.

Aber auch die Taliban standen unter Druck, denn sie bekamen terror-islamistische und schiitenfeindliche Konkurrenz von Seiten des Islamischen Staates(IS),  dessen Hauptziel ein Kalifat unter Einschluss der Nachbarländer ist.

Der IS wird weiter  bomben,  aber er wird  keinen nennenswerten Einfluss mehr gewinnen können, denn nichts  wünscht die Bevölkerung mehr als Frieden – nach 40 Jahren Krieg: zunächst gegen die Sowjettruppen, die 1979 dort einmarschierten,  und 1989 sich zurückziehen mussten. Dann folgte Bürgerkrieg, und 2001 der Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten.

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