Russischer FSB-Geheimdienstchef Alexander Wassiljewitsch Bortnikow im Interview zum Fall Alexej Nawalny

Dr. Alexander von Paleske     —    22.8. 2020   —

Folgendes Interview landete heute in meiner Mailbox:

Interviewer

Zdrastvuite Towarischtsch Bortnikow

Genosse General Bortnikow

Dobroj djen

Genosse Bortnikow, Sie sind seit 2008 Leiter des russischen Inlands-Geheimdienstes FSB im Rang eines Armeegenerals, und residieren in der einst  gefürchteten Lubjanka. Sie knüpfen auch an die Geschichte der Lubjanka unter dem Genossen Josef Stalin an: so haben Sie in einer Rede  2017 nicht nur vor fremden Geheimdiensten gewarnt, sondern  auch die Massen-Repression von 1930–1940 von Hunderttausenden, nein, Millionen gerechtfertigt, wobei die Verhöre ja in der Lubjanka statfanden, bevor diese Leute dann entweder im Gulag, oder gleich  vor einem Erschiessungskommando landeten.

Lubjanka

Sie selbst haben in Ihrer Amtszeit die „Neutralisierung“ einer Reihe von sehr harnäckigen  Systemgegnern in die Wege geleitet, und damit einen unschätzbaren Beitrag für die Stabilität von Mütterchen Russland geleistet..

Alexander Bortnikow

Nun ist einer der schlimmsten Putin-Gegner, Alexej  Nawalny, auf einem Flug von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen, und nach einer Notfall-Zwischenlandung in Omsk bewusstlos in ein Krankenhaus eingeliefert worden.Mittlerweile wurde er nach Berlin ausgeflogen. Darf ich vermuten, dass dies ebenso der FSB auf seine Fahnen schreiben kann?

Ja, natürlich. Wir haben Tee, versetzt mit einem Nervengift, in Tomsk verabreicht. Bestimmte Nervengifte wie Parathion eignen sich dazu besonders gut, weil sie geruch- und geschmacklos sind.

Nawalny Tee trinkend auf dem Tomsker Flughafen

Wir haben in den russsischen Speziallaboren eine ganze Reihe von Nervengiften, wie z.B. Nowitschok, entwickelt, deren gemeinsames Merkmal ist, dass sie schnell wirken, rasch wieder ausgeschieden werden, und  deshalb  bei Einnahme nach kurzer Zeit nicht mehr nachweisbar sind. Deswegen musste Nawalny noch etwas in Omsk bleiben, um die vollständige Ausscheidung des Giftes  sicherzustellen. Radioaktive Substanzen, wie die zur Eliminierung des Verräters Litvinenko  eingesetzte,  wirken erstens nicht schnell, und können zweitens  lange danach noch im Urin nachgewiesen werden.

Bei Sergei Skripal konnte unser Auslandsgeheimdienst GRU  keinen Trunk verabreichen, sondern musste das Nerven-Gift auf die Türklinke seines Hauses schmieren. Das Gift wurde dann über die Haut aufgenommen. Bei dieser Operation ist aber, wegen unglaublicher Schlamperei seitens der eingesetzten Agenten, einiges schiefgelaufen.

Wen stellen sie denn auf Ihre Eliminations-Liste, und wer segnet sie ab?

Wir stellen nur Gegner unseres Präsidenten, die über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügen,  und in der Lage sind, das Volk aufzuwiegeln, und Proteste zu organisieren, auf die Eliminations-Liste, da wir für  die nur mit Schwierigkeiten von den  Gerichten  längere Freiheitsstrafen erhalten  

Spione und Vaterlandsverräter werden ganz normal von Gerichten zu langen Freiheitsstrafen abgeurteilt – jedenfalls , soweit sie in Russland gefasst werden können. Ausserhalb Russslands ist dann der GRU zuständig. In  solchen Fällen werden aussergerichtliche Todesurteile beschlossen, und von den Auslandsagenten des GRU vollstreckt, möglichst als natürlicher Tod getarnt.

Wer entscheidet denn, wer auf diese Liste kommt?

Wir vom Inlands-Geheimdienst FSB stellen eine Liste der gefährlichtsten Volksaufwiegler zusammen, die ggf. eleminiert werden sollten. Diese Liste wird dann im Dienstwege dem Präsidenten vorgelegt, und der entscheidet, wer draufbleibt und wer nicht.

Wir töten und vergiften aber nicht sofort, sondern haben ein gestuftes Warnsystem: Die  Betroffenen  werden  zunächst belehrt, dann mehrfach verwarnt, mit einem Attentatversuch noch dringlicher verwarnt, bevor dann, bei weiterer Unbelehrbarkeit, die Elimination ansteht. Eine ganze Reihe von Oppositionellen hat nach Belehrungen  ihre Wühlarbeit aufgegeben, aber einige, die dann auch noch von westlichen Ländern ermuntert werden, wollten einfach nicht aufhören, und bekamen dann die Quittung..

Können Sie ein paar Namen nennen?

Ja gerne: Anna Politkoskaja, Boris Nemzow, Pjotr Wersilow von Pussy Riot, und Wladimir Kara-Mursa.

Lässt sich ein derartiges Vorgehen denn mit einer Demokratie vereinbaren?

Wir leben in Russland nicht in einer Demokratie sondern in einer Demokratur.

Genosse Putin ist ein Segen für unser Land. Er alleine ist in der Lage, Mütterchen Russland zusammenzuhalten, und den Feinden Russlands, insbesondere den Terrorislamisten im Kaukasus, die Stirn zu bieten.

Spassibo, Herr Geheimdienstchef,  vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview!

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