Skandal-Vatikanbank: Geld, davon kann man nie genug haben, egal wie.

Dr. Alexander von Paleske 14.10. 2020

Die Financial Times hat jetzt aufgedeckt, dass die Vatikanbank Geld für Arme benutzt hat, um sich an hochspekulativen Geschäften zu beteiligen. Nicht zum ersten Mal – und wohl auch nicht zum letzten Mal.

Auf der hohen Kante dieser in ihren Geschäften sehr, sehr weltlichen Vatikanbank, mit dem etwas irreführenden Namen Institut für christliche Werke (IOR), befinden sich mittlerweile umgerechnet rund 5 Milliarden US-Dollar – für wohltätige Zwecke versteht sich, was immer man darunter verstehen mag.

Die Päpste kommen und gehen, die Vatikanbank bleibt-  als Einrichtung mit windigen Finanzgeschäften seit Jahrzehnten, wo offenbar der „Teufel regelmässig durch die Tapetentür sich Eintritt verschafft“.

 Ganz besonders schlimm trieb es  diese Einrichtung  in den 70er und 80er Jahren, wo  sie offenbar auch als Waschanlage und Durchlauferhitzer für Mafia-Gelder  fungierte.

Papst Franziskus setzte da an, wo der 30- Tage Papst Johannes Paul I  1978 aufgehört hatte:  dieses „Rattennest“ auszuräuchern, das es unter dem Erzbischof Marcinkus ganz besonders schlimm getrieben hatte.

Es geht weiter

Nun stehen also wieder hochspekulative Geschäfte auf der Skandalliste, insbesondere der Handel mit Credit Default Swaps CDS, das sind Kreditversicherungen, die massgeblichen Anteil an der Finanzkrise des Jahres 2008 hatten.

Bereits Monate vor der Finanzkrise wurde hier vor den CDS als Auslöser einer globalen Finanzkrise gewarnt.

In vorliegenden Fall hatte die Vatikanbank darauf gewettet, dass die Firma Hertz im April 2020 nicht insolvent wird. Glück gehabt, denn das passierte erst einen Monat später.

 Papst Franziskus hatte 2018 Kreditausfallversicherungen scharf verurteilt:

 “Sie dienen  dazu  auch auf das Versagen anderer zu wetten, was aus ethischer Sicht nicht akzeptabel ist”.

 Und  er bezeichnete CDS als „tickende Zeitbombe“. Der Papst  befindet sich damit in guter Gesellschaft mit Gross-Investor  Warren Buffet:  der  bezeichnete die Credit Default Swaps, bereits im Jahre 2002 als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“.

Papst Franziskus wandte sich am vergangenen Donnerstag vor Inspektoren der europäischen Anti-Geldwäsche-Kommission Moneyval gegen „Finanzspekulation zum Zweck des schnellen Gewinns“. Die Finanzordnung müsse einer moralischen Ordnung unterstellt sein.

 „Ich halte es für notwendig, dass wir unser Verhältnis zum Geld überdenken“,

so der Papst wörtlich.

Die Herren in der Vatikanbank, wo offenbar der „Teufel Regie führt“, interessierte das wohl herzlich wenig.

Nicht nur CDS

Aber nicht nur auf diesem CDS-Parkett bewegte sich die Vatikanbank, sondern auch in hochspekulativen Immobiliengeschäften in London. So soll  der Vatikan Wertschriften, in denen Spenden angelegt waren, dazu benutzt haben, einen Kredit abzuzahlen, mit dem ein Luxus-Entwicklungsobjekt in London – mit dem Peterspfennig – finanziert worden war, das offenbar große Verluste einbrachte.

 Bei  diesen Immobiliengeschäft handelte es sich keineswegs um Sozialwohnungen, sondern  um die Umwandlung eines Gebäudes im Stadtteil Chelsea  – nicht gerade ein sozialer Brennpunkt –  in Luxuswohnungen. Mit dabei auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen  wegen  Erpressung, Unterschlagung, Betrug und Geldwäsche.

Stichwort: den Armen wird’s genommen, den Immobilienhaien wird’s gegeben.

Für Heiligsprechung und mehr zuständig

Die fraglichen Anlagen erfolgten zu der Zeit, als Giovanni Angelo Becciu als Substitut die Aufsicht über die Finanzen im Staatssekretariat hatte. Becciu war zuletzt Präfekt für die Kongregation zu Heiligsprechungen, und musste  Ende September von seinem Amt zurücktreten  – ohne Anerkennung von Fehlverhalten, versteht sich –  auch seine Privilegien als Kardinal aufgeben. Offenbar hatte der Teufel höchstpersönlich diesen Kirchenmann in Versuchung geführt.

 Der für den Vatikan lange Zeit in der Schweiz agierende  Finanzmanager Enrico Crasso, sagte am vergangenen Wochenende, mildtätige Gaben von  Gläubigen seien auch in Hedgefonds geflossen.

Lange Skandalliste

Die Skandalliste der Vatikanbank ist jedoch viel, viel  länger; In ihr kommen Geldwäsche, Betrug, Zusammenarbeit mit der Mafia, Verbindungen zur rechtsradikalen Verschwörer-Loge P2,  und mehrere Morde von Personen vor, die sich um Aufklärung bemühten oder auspacken wollten. Im  Zentrum:

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Vatikan – Heiliger Ort, unheilige Geschäfte

Zu den Skandalen  gehörten:

– Die Ermordung des italienischen Ermittlungsrichters Emilio Alessandrini

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Emilio Alessandrini

– Die Ermordung des Rechtsanwalts Giorgio Ambrosoli

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Giorgio Ambrosoli

– Die Ermordung des Journalisten Carmine (Mino) Pecorelli.

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Carmine Pecorelli


– Die Ermordung des Polizeidirektors Boris Giuliano

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Boris Giuliano

– Die Ermordung des Chefs der Banco Ambrosiano, Roberto Calvi, dessen Leichnam von der Mafia an einer Themsebrücke in London aufgehängt wurde

– Die finanzielle Unterstützung der rechtsgerichteten Loge P2, die auch für das Attentat im Bahnhof von Bologna am 2.8. 1980 verantwortlich zeichnete, bei dem 85 Menschen getötet wurden, das den Linken in die Schuhe geschoben werden sollte.

– Geldwäsche grössten Ausmasses für die sizilianische Mafia, auch Cosa Nostra genannt.

Weitere Details siehe hier

Tod eines Reformpapstes
Der 33-Tage Papst Johannes Paul I, von einem enormen Reformwillen angetrieben, konnte jedoch selbst die von ihm beschlossene unverzügliche Abberufung des gaunerhaft agierenden Chefs der Vatikanbank, Bischof Marcinkus, nicht mehr durchsetzen, und den Augiasstall von Bank ausmisten, von anderen Reformen ganz zu schweigen. Er starb bereits  am 28.9. 1978.

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Papst Johannes Paul I


Ihm folgte der Papst aus Polen, Johannes Paul II, der im Prinzip alles beim Alten, insbesondere Marcinkus im Amt liess. Und so lief es weiter, wie gehabt – sehr weltlich, um es vorsichtig auszudrücken.

Auch der „Wir sind Papst“, Benedikt der XVI war ausserstande, die dringend notwendigen Reformen durchzusetzen.

Der  neue Papst Franziskus wollte ausmisten, aber statt Erfolgsmeldungen kamen weitere Skandale:  wieder ging  es um Geldwäsche.
Im Zentrum: Einer ihrer Angestellten, der Prälat der vatikanischen Vermögensverwaltung (APSA) mit dem klangvollen Namen Nunzio Scarano.

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Monsignore Nunzio Scarano

Der orderte die Abhebung von 20 Millionen Euro in bar  über einen Strohmann namens Giovanni Zito  aus der Schweiz nach Italien  – abgepackt in 500-Euro-Scheinen.

Natürlich kann so ein Geheimdienstmitarbeiter nicht mal eben so zu einer Schweizer Bank gehen, und 20 Millionen Euro in bar abheben. Das läuft nur von Banker zu Banker, von Bank zu Bank sozusagen.

Und so trat der Prälat aus dem süditalienischen Salerno stammend, in Aktion.

400.000 Euro Lohn
Geheimagent Zito flog zur Barabhebung nicht etwa mit der staatseigenen Luftlinie Alitalia, sondern mit einem Privatjet an, der wiederum Freunden des Prälaten gehörte. Summa summarum für diesen Botendienst einschliesslich Flug: Schlappe 400.000 Euro – ein Freundschaftspreis.

Natürlich handelte es sich bei dem Geld nicht um eine in der Schweiz gesammelte Kollekte, die ja ausserdem noch wesentlich einfacher per Bankanweisung nach Italien hätte transferiert werden können.

Bei der Transaktion von der Schweizer Bank sollte der Empfänger ganz offensichtlich verschleiert werden, im Dunkeln bleiben: durch Barabhebung und Zwischenschaltung eines Strohmannes.



Fazit:

Der Augiasstall Vatikanbank wartet immer noch auf Ausmistung

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