Covid-19 und die politischen Artisten unter der Reichstagskuppel

Dr. Alexander von Paleske 22.2. 2021

Es gibt zur Zeit  einen neuen Geheimtipp, dem Corona-Lockdown zu entgehen: nach Schweden zu reisen. Eine ganze Reihe von Jugendlichen aus Europa fuhr und fährt dorthin, um für Tage  oder Wochen  zu leben, wie in  vor dem Lockdown. Denn wann der Lockdown z.B.  in Deutschland endet, ist weiter unklar.

Zu welchem Preis?

Der Preis, den die Schweden für ihre Politik zahlen mussten ist hoch: bereits im Dezember gab es dort 4,5-10 mal so viele an oder mit  Covid- 19 Verstorbene  pro 1 Milllion Einwohner, als in den  angrenzenden skandinavischen  Ländern  Norwegen, Dänemark und  Finnland.

Am 20.Dezember 2020 hatte Schweden die Covid-19 Todeszahl  von 8000 bereits überschritten, das sind 787 Pro 1 Million, inzwischen ist die Zahl auf 1234 gestiegen (Deutschland: 805).Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohn binnen sieben Tagen mit 215 deutlich höher als in Deutschland, wo sie zur Zeit bei 62 liegt.

Wer nach Schweden fährt, „profitiert“ also von einer Gesundheitspolitik, die für viele Menschen, unsbesondere ältere,  den Tod bedeutet hat.

Von Anfang an setzte die schwedische Regierung nicht auf Schutz vor Weiterverbreitung, sondern auf die sog. Herdenimmunität, das heisst also: durch mit Karacho, auch mit Verlusten und dann ist es vorbei. Wenn 60% der Bevölkerung   die Infektion hinter sich haben, dann könne sich das Virus  nicht weiter ausbreiten, weil es vornehmlich auf Menschen tifft, die bereits immun sind.

 Infektionsketten wurden daher in Schweden nicht nachverfolgt, Versammlungen bloss auf 50 Personen beschränkt,  das Tragen von Gesichtsmasken nicht zur Pflicht gemacht.

 Diese dürftigen Restriktionen wurden im September – trotz  erwartbarer 2. Welle –  auch noch aufgehoben, statt 50 durften sich nun 300 Menschen treffen. Trotzdem brach die Wirtschaft, die ja mit diesen Massnahmen – zu Lasten von Teilen der Bevölkerung –  geschützt werden sollte, ein: 8% weniger Wirtschaftsleistung im 2. Quartal 2020, mehr noch als Nachbar Dänemark.

Keine anhaltende Immunität

Es gibt offenbar keine anhaltende Immunität,  wie bei anderen ansteckenden Erkrankungen, beispielsweise nach Masern, Mumps, Keuchhusten,  vielmehr kannn es immer wieder zu Reinfektionen, und damit auch zur Weiterverbreitung kommen, wie bei der saisonalen Grippe auch.

Die jetzt aus Israel kommenden Untersuchungsergebnisse, dass es nach einer Impfung zu keinen Reinfektionen mit Virus-Weiterverbreitung komme, sind irreführend. Der Zeitablauf viel zu kurz, um derartige Feststellungen zuzulassen. Das mussten mittlerweile auch die Studienleiter einräumen.

Was nach Impfung bzw. durchgemachter Infektion erwartet werden kann: ein milderer Krankheitsverlauf nach einer Reinfektion.

Wie lange diese Immunität – durch Impfung oder nach  durchgemachter Infektion – überhaupt anhält, das ist ebenfalls  eine Frage, die  sich erst im Laufe der nächsten Monate und Jahre sicher beantworten lässt.

Bei der Diskussion um Herdenimmunität nach Infektionen bleiben auch unberücksichtigt die  zum Teil nicht geringen  späteren Nebenwirkungen wie Abgeschlagenhaeit Schwäche, Gliederschmerzen, Atembeschwerden, die auch noch Monate, auch nach einer  nur milden Infektion, anhalten können.

Insofern war der Weg der rot-grünen Regierung Schwedens ein glatter Irrweg.  Nun wird dort auch geimpft, die Impfung soll die Probleme lösen, welche die Regierung durch ihre Untätigkeit verschlimmert hat.

Hinzu kommt in Schweden – aber nicht nur dort – der völlig unzureichende Schutz alter Menschen in Alten-und Pflegeheimen, der auch zu der dort hohen Zahl von Todesfällen durch Covid-19 beitrug.

Was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Auch in Deutschland gab es reichlich Versäumnisse:

  • Da ist die hohe Zahl an Todesfällen in Alten- und Pflegeheimen durch ungenügenden Schutz mangels Masken und Testung.Wie es hätte anders laufen können zeigt das Beispiel Tübingen.
  • Die Hin und her über die Wirksamkeit von Gesichtsmasken,  und die verspätete  Maskenpflicht
  • Das Fehlen von Impfstoff.

Nun geht die Zahl der Covid-19 Infektionen seit drei Tagen wieder in die Höhe – trotz des Lockdowns –  die Wogen der politischen Auseinandersetzung über das Ende des Lockdowns ebenfalls.

Ahnungslos, konzeptlos, transparentlos

Nach der Ahnungslosigkeit zu Beginn der Epidemie, zeichnet sich die  Regierung vor allem dadurch aus, dass sie kein Konzept hat, wie und wann den Lockdown zu beenden,  oder aber die Katze über ihre  Pläne nicht aus dem Sack lassen will.

Vermutlich Null

 Die Bundeskanzlerin und andere haben vermutlich doch schon ein Konzept: Die Inzidenz  der Infektionen pro 100.000 nicht nur  auf 35   zu senken, sondern eine “No Covid Strategie”, wie sie von den Forschern Melanie Brinkmann, Michael Hallek, Matthias Schneider und anderen gefordert wird, die  aus folgenden drei Schritten besteht:

  • Rapide Senkung der Inzidenz nicht nur auf 35, sondern nahe Null
  • Umfassende Testung, um Infektionen sofort aufzuspüren und Quarantänemassnahmen, wie auch totale Reisebeschränkungen  zwischen Regionen.
  • Sofortige umfassende Eindämmung bei Wiederauftreten von sporadischen Ausbrüchen.

Es muss vermutet werden, dass auch Kanzlerin Angela Merkel diese Strategie insgeheim verfolgte. Deshalb wollte und konnte sie keinen Stufenplan, keinen Fahrplan aus dem Lockdown vorlegen. Sie  musste vielmehr  befürchten, nicht nur einen Protest-Sturm auszulösen, sondern mit dieser Politik einen  weiteren  wochenlangen Lockdown verhängen zu müssen, dessen Ende zeitlich nicht absehbar wäre, dazu mit möglicherweise noch strengeren Regeln.

 Viele Betriebe, die schon jetzt am Limit stehen, würde das in den den Konkurs treiben, mit weiteren unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen, die auch nicht mehr mit der inflationstreibenden Ausgabenpolitik  im Griff blieben.

Infektionszahlen vermasseln Plan

Die  Infektionszahlen in Deutschland gehen wieder hoch– trotz des Lockdowns –  verursacht durch die sich wesentlich schneller verbreitende britische  Mutante,  bereits für rund 25% aller Covid-Neuinfektionen kausal,  aber auch durch die südfrikanische Mutante, immerhin für 5% aller Neuinfektionen verantwortlich. Tendenz bei Covid-19 Infektionen durch die beiden Mutanten: rapide ansteigend. Das Ziel Inzidenz 35 bzw. Null Infektionen pro 100.000  entpuppt sich nun  als Fata Morgana.

Britische, südafrikanische und brasilianische Mutante

Graduelles Lockern und die Folgen

Angesichts dieser Situation empfiehlt die Bundeskanzlerin heute ein graduelles Lockern des Lockdowns. Die Bundeskanzlerin vollzieht damit eine Rolle rückwärts, angesichts des  Drucks der Wirtschaft, den Lockdown zu beenden, und  zwar unverzüglich, und nicht erst, wenn die Zahl 35 erreicht ist. bzw. einen verbindlichen Fahrplan dorthin vorzustellen.

 Die Folgen einer Lockerung: die Inzidenz der Neuinfektionen wird ansteigen, das kann auch durch die deutlich verzögerten Impfungen vorerst nicht aufgehalten werden. Es wird vermutlich noch bis Ende des Jahres dauern, bis eine Impf- bzw. durchgemachte Krankheitsquote von mindestens 60% erreicht sein wird.

Der Vertrauensverlust in der Bevölkerung angesichts der undurchsichtigen Pläne  dürfte kaum zu unterschätzen sein.

Ein konsequentes, notfalls scharfes Durchsetzen der Maskenpflicht,  der Abstandsregeln und  Testen hätte diesen Lockdown wohl verhindern können, stattdessen klammerte sich die Regierung an die Hoffnung: eine zweite Welle kommt doch nicht. Nun steht bereits die 3. Welle durch Mutanten an.

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