Indien, Covid-19, Schreckensmeldungen und relative Zahlen

Dr. Alexander von Paleske ——- 2.5. 2021 ——–

Täglich kommen neue Schreckensmeldungen und Schreckensbilder  aus Indien:

– Jeden Tag mehrere Hunderttausend mit Sars-Cov-2-Neuinfizierte,

 – über 3000 Tote täglich

– Krankenhäuser total überfült,

– unzureichende Versorgung mit Sauerstoff in Krankenhäusern und im ambulanten Bereich

– Patienten sterben mit schwerer Atemnot, wartend vor den Krankenhäusern

– Die Krematorien unter freiem Himmel im 24-Std. Dauerbetrieb,

Indien
Ueberfüllte Krankenhäuser
Anstehen, um Sauerstoff zu ergattern oft vergeblich
Open air Krematorium im Dauerbetrieb

Fazit: Eine perfekte Katastrophe durch die explosionsartig sich ausbreitende Covid-19 Pandemie mit einer neuen, doppelmutierten Virusvariante (B.1.617)

Unzureichendes Bild

Die absoluten Zahlen vermitteln jedoch  nur ein unzureichendes Bild, wenn sie nicht in Relation zu der Bevölkerung gesetzt werden

Indien  hat eine Bevölkerung von rund 1,4 Milliarden Menschen, Deutschland  mit rund 83 Millionen aber nur rund  6% davon. Rechnet man also die indischen Schreckenszahlen auf Deutschland um, dann kommt man auf 24.000 Neuinfektionen pro Tag. Das liegt allerdings ganz in der Nähe der  Infektionszahlen in Deutschland.

Die tägliche Todesrate in Indien liegt z. Zt bei 3.500, . Auf  auf Deutschland übertragen wären das 210 Tote. Auch diese Zahl liegt nicht weit ausserhalb  deutscher Verhältnissse.

In Brasilien liegen die Zahlen mit 2000 Covid-Toten pro Tag bei einer Bevölkerung von 1/7 der indischen vergleichsweise deutlich höher.

Nur höchst ungenaue Schätzungen

Allerdings sind diese Zahlen der Neuinfektionen in Indien mit Vorsicht zu geniessen: Die Zahl der Neuinfektionen – , weniger die Zahl der Toten – dürfte nur die Spitze des Eisbergs“ sein. Manche Schätzungen gehen von bis zu 20-fachen Zahlen aus.

Nicht die Zahlen sind jedoch die wahren Schreckensmeldungen, sondern  ein  Gesundheitssystem, das selbst   mit dieser Zahl der Erkrankten völlig überlastet ist, wobei der eklatante Magel an Sauerstoff besonders verschärfend wirkt, und ins Auge springt.

Bereits vor Eintreffen der Pandemie musste die   Gesundheitsversorgung in Indien, und der allgemeine Hygienestandard   zusammen mit der weitverbreiteten Armut als katastrophal bezeichnet werden. Hinzu kommt, dass die indische Regierung in Sachen Covid-19 auf Herdenimmunität setzte, und eine Massenimpfung nicht vorgesehen war. Impfstoffe wurden stattdessen exportiert. Zudem waren Massenveranstaltungen – religiöser oder politischer Art – ohne Masken und Abstand erlaubt. Eine grandiose Unterschätzung der Gefahren.

Wie wenig das vorwiegend auf die üblichen Verdächtigen,  also Kolonialismus, zurückgeführt werden kann, zeigt der Blick auf den Nachbarn, die Volksrepublik China.

Beide Länder waren zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit (Indien 1947)  bzw. Befeiung vom Joch der japanischen Invasion und Ende der Bürgerkriegs (China 1949) wirtschaftlich gleichauf – am Boden.

China hatte in den 50er Jahren eine Bevölkerung von 600 Millionen, Indien von rund 400 Millionen.

Heute hat China eine Bevölkerung von rund 1,3 Milliarden, Indien hat China insoweit längst überholt, mit heute 1,4 Milliarden Menschen. Der Grund: Fehlende Geburtenkontrolle. China führte, um die Zunahme des Bevölkerungswachstums zu begrenzen, eine strikte Geburtenkontrolle ein: Die Ein-Kind- Politik. In Indien gab und gibt es nichts dergleichen.  

China auf dem Sprung

China ist wirtschaftlich auf dem Sprung zur weltweit führenden Industrienation, die Infrastruktur kann sich mit Industrienationen messen. und  China hat  Hunderte Millionen Chinesen aus der Armut befreit. Das Gesundheitswesen wurde kontinuierlich weiterentwickelt, die Covid-19 Epidemie schnell unter Kontrolle gebracht.

Bilder  zu Beginn der Pandemie zeigten  nur in Wuhan überfüllte Krankenhäuser, binnen kürzester Zeit wurde aber dort ein neues Gross-Krankenhaus aus dem Boden gestampft, die Epidemie mit drastisch-effektiven Massnahmen eingedämmt

Katastrophenland  Indien

Die Situation in Indien kann in vielen Bereichen  demgegenüber nur als katastrophal  bezeichnet werden:

Zwar gibt es teilweise eine sehr entwickelte Industrie, wie z.B.  die  Pharmazeutische Industrie: Indien ist einer der grössten Medikamentenhersteller der Welt, ebenso ein Grossproduzent von Impfstoffen. Das Land schiesst auch Satelliten in den Weltraum, und ist Atommacht.

 Demgegenüber: Weitverbreitete Armut, Hunger, die hygienischen Bedingungen und die Gesundheitsversorgung  insbesondere der ländlichen Bevölkerung  katastrophal. Notdurft wird in vielen Regionen im Freien verrichtet.

Es  gibt eine Zweiteilung des Gesundheitswesens:

  •  Für Reiche die vergleichsweise geringe Zahl von Hochleistungskrankenhäusern, die es mit ihren Standards und Behandlungsmöglichkeiten mit westlichen Krankenhäusern jederzeit aufnehmen können – für die schmale Schicht, die es sich leisten kann.
  • Für die grosse Masse der Bevölkerung jedoch Krankenhäuser, von der Anzahl  und  von der Ausstattung her völlig unzureichend.

So ist es keine Ueberraschung, dass die zweite Welle der Covid-Epidemie – die erste Welle verlief vergleichsweise glimpflich – das unterentwickelte indische Gesundheitssystem zum Taumeln bringen musste.

Verrottete Infrastruktur

Parallel dazu  auch ein verrottetes Transportsystem  und unterentwickelte  Infrastruktur . Das Eisenbahnnetz stammt noch aus der Kolonialzeit.  Zugunglücke sind deshalb auf diesen völlig veralteten – und noch dazu überlasteten  Strecken – keine Seltenheit.

Menschenrechte dauerverletzt

Freiheit von Hunger und Armut, ebenso wie ausreichende Gesundheitsversorgung, sind Menschenrechte, die in Indien von der Regierung jeden Tag mit Füssen getreten werden. Doch im Westen wird diese  schwere Verletzung  elementarer Menschenrechte keineswegs angeklagt, vielmehr als schicksalhaft angesehen. Sanktionen verhängt der Westen  gegen China wegen seiner Politik gegenüber Hongkong und den Uiguren.

Es ist das Versagen der  indischen Regierung in Delhi; zunächst  unter dem  charismatischen Präsidenten Nehru, vom Westen hofiert, und als stabiliserendes Element gegen die VR China betrachtet – und seinen Nachfolgern, der damals regierenden Kongresspartei. Von anpackender  Entwicklung konnte keine Rede sein.  

Entwicklungshilfe floss, mit der allerdings vorwiegend  Prestigeobjekte wie Stahlwerke errichet wurden, die zur breiten Entwicklung nichts beitrugen..

Von bitter notwendigen durchgeifenden  Gesellschaftsreformen kann  seit der Unabhängigkeit ebenfalls keine Rede sein, insbesondere nicht die Abschaffung des Kastensystems, das die Gesellschaft dauerhaft spaltet, und Bremsklotz der Entwicklung des Landes ist.

Und es ist davon auszugehen, dass sich daran in den nächsten Jahren wenig ändern wird, Die jetzige Regierung Modi schlägt stattdessen nationalistische Töne an, und unterdrückt  die  moslemische Minderheit, gerade auch dort, wo sie die Mehrheit stellt, wie in Kaschmir..

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