USA, Deutschland und der Klimawandel –  auf China kommt es an.

Dr. Alexander von Paleske — 23.9. 2021 —–

China hat 1,4 Milliarden Einwohner,  17-mal so viele wie Deutschland, und einen entsprechenden Energiebedarf, den es zu 86% mit Kohlekraftwerken deckt. Entsprechend hoch der Ausstoss an klimaschädlichen Gasen. Zwar nicht pro Kopf der Bevölkerung, aber insgesamt – und nur das zählt letztlich für das Weltklima. Demgegenüber ist der deutsche Anteil zwar pro Kopf der Bevölkerung hoch, insgesamt aber nur 2,5% des weltweiten Gesamtausstosses.  Daher kommt es bei der weltweiten dringend notwendigen Reduktion der Klimagase  entscheidend darauf `an, ob und wann China – und auch Indien – seinen  Ausstoss der Klimagase anhaltend senken kann.

Klimaneutral 2060

China nimmt den Kampf gegen den Klimawandel ernst. Die chinesische Regierung hat  beschlossen,  das Maximum des  C02- Ausstosses noch vor 2030 zu erreichen und 2060 klimaneutral zu werden. Gestern kündigte Staatschef Xi Jinping an, keine Kohlekraftwerke  in Low- Income Ländern mehr mit Krediten zu unterstützen oder zu finanzieren.

Selbst Opfer

 China  leidet  selbst unter dem Klimawandel: durch Zunahme der Ueberschwemmungen und Anstieg der Temperatur. In diesem Sommer regnete es in der Hauptstadt Beijing, als hätte der Himmel alle Schleusen geöffnet. Selbst im typischerweise trockenen Norden regnete es heftig. 

Das chinesische Dilemma

China  steht vor einem Dilemma:

– Einerseits will es die Lebensbedingungen seiner 1,4 Milliarden Menschen  weiter verbessern, seine  Produktion von Gütern steigern, und  seine seine bereits beginnende Umstellung des Verkehrs auf Elektromobilität voranbringen, wie schon in Shanghai, wo Roller und Kleinkrafträder nicht mehr mit Benzin, sondern  nur mit Elektroantrieb  zugelassen sind.

– Andererseits:  um  dieses Ziel zu erreichen, muss die Stromproduktion deutlich gesteigert werden,  nicht ein wenig, sondern gewaltig.

Angesichts der drastischen Bedarfszunahme   gehen in den nächsten Jahren  weitere Kohlekraftwerke ans Netz, sind also gebaut, befinden sich him Bau, oder sind fest  geplant, bevor Atomstrom und alternative Energien zu einer signifikaten Reduktion des Ausstosses von klimaschädlichen Gasen führen können

 “Build up first, desostroy later”

frei übersetzt: erst mal mehr Kohlekraftwerke  ist die Maxime, bevor sie dank  alternativer Energiequellen wieder abgeschafft werden können, es wird also noch schlechter, bevor es besser wird.

Chinas Strom-Output aus Kohlekraftwerken stieg im Jahr 2020 um 29,8 Gigawatt, das ist mehr als die Summe aller eingesparten Kohlekraftwerke der gesamten Welt.

Die Zahlen belegen nur allzu deutlich: Deutschland spielt – weltweit gesehen – beim Ausstoss von Klimagasen eine eher untergeordnete Rolle.  Der  von den Grünen angestrebte  frühere Kohleausstieg in Deutschland ist bezogen auf das Weltklima, die Zahl der Uebeschwemmungen, der Waldbrände vergleichsweise gering, solange der Ausstoss in China und auch in Indien weiter in diesem Umfang steigt. 

Teure Umstellung

Jede beschleunigte Umstellung weg von der Kohle ist teuer – Kohle ist nach wie vor der billigste Energieträger –  kostet also viel Geld, und nagt am Bruttosozialprodukt,  

China müsste seiner Bevölkerung erklären, dass sehr einschneidende Massnahmen erforderlich sind,  der Energieverbrauch drastisch zurückgefahren werden muss, die Preise für Strom ausserdem deutlich steigen werden.

So kommt dann auch Yu Lihong, Professorin  an der  East China University of Science and Technology in Shanghai  zu folgender pessimistischern Einschätzung:.

Getting rid of coal in 20 or 30 years will be very difficult. I think even within 50 years is difficult. Coal’s presence is too big,”

Unerwünschter Druck und Kritik

 China will den Klimawandel stoppen, baut bereits alternative Energien aus. Was China aber  auf keinen Fall tun wird, dies auf Druck anderer Staaten zu tun bzw. zu beschleunigen, wie jetzt wieder von Seiten der USA, deren Präsident Biden gestern China aufforderte, schneller klimaneutral zu werden.

China, das unter dem Joch des Kolonialismus und  der Aggression Japans gelitten hatte, reagiert ausserordentlich empfindlich auf derartigen Druck oder Belehrungen.

There is a very delicate tension between doing this individually, and sending the signal that we are doing this for our self interest and not doing something for the United States,”

 sagte Li Shuo, Senior Adviser von Greenpeace  East Asia  in Beijing.

Gegenseitiger Respekt  nötig

Gegenseitiger Respekt ist nötig, um China zu ermutigen, die Reduktion des Ausstosses klimaschädlicher Gase deutlich zu beschleunigen.US Präsident Barack Obama hat das 2014  so getan,   ein Jahr vor dem Klimagipfel in Paris. Damals beschlosssen beide Staatschefs  – auf Augenhöhe – den Ausstoss von Klimagasen zu begrenzen, beide Seiten konnten dies als diplomatischen Erfolg feiern, und so ihren Ländern auch “verkaufen”.

 Mit dem Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump 2017  änderte sich das rasch: Trump startete den Handelskrieg mit China, der nun auch von Präsident Biden fortgesetzt wird. Der chinesische  Grosskonzern Huawei wurde so in die Knie gezwungen, er spielt heute bei der Produktion von Handys inter1national keine Rolle mehr. Die Abspaltung Honor, obwohl längst selbständig und an der Börse, soll nun ein gleiches Schicksal erfahren, obwohl es kein Netzwerkausrüster ist.. 

Nicht nur den Handelskrieg mit China setzt Biden fort, sondern will auch  Chinas Einfluss in Südostasien eindämmen, wozu der  Flottenaufmarsch im südchinesischen Meer gehört, wie Waffenlieferungen an die abtrünnige Provinz Taiwan.

Kein neues Abkommen in Sicht

Weniger als 6 Wochen vor dem Klimagipfel in Glasgow  ist kein neues Abkommen wie 2014 in Sicht, stattdessen Vorwürfe der USA und auch Deutschlands, hier besonders der Grünen, wegen angeblicher Zwangsarbeit und Unterdrückung der Uiguren, der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong, des Status von Taiwan, sowie um die Inseln im südchinesischen Meer, die China für sich beansprucht,

Warnung an die USA

Der chinesische Aussenminister WangYi warnte den ehemaligen US-Aussenminister unter Barack Obama und jetzigen Klimabeauftragten der US- Regierung, John Kerry, anlässlich eines Besuchs in China: nur punktuelle Zusammenarbeit in Klimafragen als „Oase“, bei gleichzeitgen Spannungen, Drohungen  und Vorwürfen der US- Regierung in anderen Fragen, könne es nicht geben, und benutzte den Vergleich:

“Wenn die Oase von Wüste umgeben ist, dann wird sie selbst zur Wüste.”

Die Botschaft ist klar, ob sie auch in Deutschland, insbesondere von Annalena Baerbock, Aspirantin der Grünen für das Aussenministerium – und wohl vergebliche Kanzlerkandidatin – in einer Koalitionsregierung nach der Wahl so verstanden wird, ist angesichts ihrer bisherigen Stellungnahmen mehr als fraglich.

Datenschutzerklaerung und Impressum

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s