Schürfrechte, Bestechung und Unterentwicklung in Afrika

Dr. Alexander von Paleske   —    12.3. 2019    —      Es ist die Geschichte einer Eisenerzmine in Guinea/ Westafrika namens Simandou.   Dort lagert Eisenerz im Werte von schätzungsweise 150 Milliarden US Dollar.

Guinea

Es ist auch die Geschichte von Firmen und Personen, die versuchen, diesen Schatz zu heben darunter auch ein gewisser Beny Steinmetz,    
über den wir hier schon mehrfach berichtet haben, und der auch mit der Firma Signa   des Karstadt-Kaufhof Rene Benko eine Zeit lang als Investor verbandelt war.

Beny Steinmetz

Ebenfalls ist es ein Beispiel, wie Schürfrechte in Afrika billig erworben und teuer weiterverkauft werden, oftmals durch Bestechung, welche die Einzelpersonen, den Bestecher und den Bestochenen reich macht, aber für die Bevölkerung von diesem Reichtum ihres Landes nichts abfällt: eine unheilige Allianz.

Bestechung und Discount-Preise
Statt die Bergbau-Lizenzen in Afrika an den Meistbietenden zu versteigern, werden hier oftmals undurchsichtige Geschäfte zu Discount Preisen getätigt. Was zählt ist: „wer kennt wen“, oftmals verbunden mit saftigen Schmiergeldzahlungen.

Dazu Firmen, die oftmals auch noch schwere Umweltschäden hinterlassen wie z. B. Im Nigerdelta, , wo aus geplatzten Pipelines Oel in den einst fischreichen Fluss Niger sich ergiesst – seit Jahren – und die Lebensgrundlagen der dort lebenden Fischer und Bauern nachhaltig zerstört.

Guinea und seine Simandou-Eisenerzmine
Guinea/Westafrika ist ein Land dessen Bevölkerung bettelarm, aber mit Krankheiten, wie Malaria, Tuberkulose und AIDS reich „gesegnet“  ist, zudem noch bei der Ebola Epidemie 2014 schwer getroffen wurde, und dessen Gesundheitswesen sich in einer erbärmlichen Verfassung befindet.


Ein Land, das aber rund zwei Milliarden Tonnen Eisenerz im Gesamtwert von 150 Milliarden US Dollar besitzt, noch dazu mit einem sehr hohen Renheitsgrad.

Die Geschichte der Mine Simandou
Im Jahre 2002 stiess das multinationale Bergbauunternehmen Rio Tinto,
das 1998 von der Regierung Guineas Explorationsrechte erhielt, auf diesen Schatz, der die Staatseinnahmen verdoppeln und das Land aus der Armutsfalle befreien könnte……
Pech nur, dass die grosse Eisenerzmine 650 km entfernt liegt von der Hauptstadt Conakry, und damit der Küste  Guineas, und es bisher keine Eisenbahnverbindungen zum Abtransport des Eisenerzes, und einen Hafen zur Verschiffung in Guinea gibt.
Also vergab die Regierung die Schürfrechte an den Minen-Multi Rio Tinto mit der Auflage, die Eisenbahnlinie und einen Verschiffungshafen zu bauen. Geschätzte Kosten: 20 Milliarden US-Dollar.

Geplante Eisenbahnlinie

Rio Tinto legte los – nicht richtig eigentlich, denn bis 2008 war kein Kilometer Eisenbahn gebaut. Rio Tinto strebte . eine billigere Lösung an, und die hiess: Anschluss an das Eisenbahnnetz (LAMCO-railway) des benachbarten Liberia, also nur 100 km neue Eisenbahn, und Verschiffung über den liberianischen Hafen Buchanan.

Wirtschaftliche Entwicklung erhofft
Die Regierung Guineas erhoffte sich jedoch mit der  650-km Eisenbahnlinie quer durchs Land eine wirtschaftliche Entwicklung entlang dieser Eisenbahnstrecke, und hatte ausserdem kein Interesse daran, den Transport und die Verschiffung von einem nicht gerade sehr stabilen Nachbarland übernehmen und damit abhängig zu machen zu lassen – dort tobte jahrelang ein blutiger Bürgerkrieg.

Der Nächste bitte
Guineas Diktator Lansana Conten gab 2008 
die Hälfte der Schürfrechte kurzerhand an die von dem israelisch-französischen Geschäftsmann Beny Steinmetz geführte Firma “Beny Steinmetz Group Resources (BSGR)” , mit der Begründung: Rio Tinto habe das Vorhaben verzögert.,

Steinmetz-BSGR , ohne jegliche Erfahrung im Bergbau, erwarb die Lizenz einzig mit dem Versprechen, Millionen Dollar  zu investieren. Wenig später verkaufte Steinmetz jedoch schon 50% der Schürfrechte für schlappe 2,5 Milliarden Dollar weiter an die brasilianische Bergbaufirma Vale,  die kürzlich durch einen Dammbruch in Brasilien mit nachfolgender Schlammlawine und vielen Todesopfern  in die Schlagzeilen geriet.

Korrupter Deal des Jahrhunderts
In der britischen Presse wurde es allerdings als der „korrupteste Deal des Jahrhunderts“ bezeichnet.Später zeigte sich, dass ein angeblicher Strohmann von Steinmetz die Ehefrau des Präsidenten Conte bestochen hatte.

Als Guineas Präsident Conte starb,  und 2010 sein Namensvetter Alpha Conte an die Macht kam, erklärte der die Lizenzvergabe an Steinmetz (und dann Vale) für ungültig. Rio Tinto erhielt für 700 Millionen US-Dollar die Lizenz zurück.

Steinmetz klagte in Paris gegen die Regierung Guineas. Schliesslich zog die Regierung Guineas den Vorwurf der Bestechung zurück, und einigte sich mit ihm auf die Vergabe von Schürflizenzn in einem kleinen Teil der Eisenerzvorkommen namens Zogota,um einen teuren und langwierigen Prozess rasch zu beenden, .

Rückblick Steinmetz

Bleiben wir noch ein wenig bei Steinmetz, der sein Geld auch bei  Rene Benkos Signa-Karstadt-Kaufhof investierte, vorübergehend jedenfalls .

Steinmetz war durch Diamanten Multimilliardär geworden ,
Auch die Diamanten sind ein gutes Beispiel, wie Rohstoffe meist Armut hinterlassen, aber einigen Herrschaften extrem viel Geld einbringen.

Das es nicht zwangsläufig so sein muss, zeigt das Beispiel Botswana, wo die Milliardeneinkünfte aus dem Diamantengeschäft voll in die Entwicklung der Infrastruktur gesteckt wurden: Strassen, Krankenhäuser, Elektrizitätsversorgung. Das ist deshalb auch keine Gegend, wo Glücksritter ihr Geschäft machen können, denn das gelingt nur dort, wo die Rohstoffe bzw die Schürflzenzen nicht zu Marktwerten, sondern billigst, oftmals eben durch Bestechung erworben werden. Gerne auch dort, wo noch der Bürgerkieg tobte bzw. tobt, weil dort dann ganz besonders billig, und in Frontnähe muss man sich ja nicht bewegen.
Insofern kann von dem häufig gebrauchten Slogan “Fluch der Rohstoffe” keine Rede sein, sondern besser vom Fluch der Neokolonialisten, Glücksritter und korrupten Politiker.

In der DRC
So ist es auch keine Ueberraschung, dass Steinmetz zusammen mit einem Dan Gertler im rohstoffreichsten und bettelärmsten Land Afrika aufkreuzte: In der Demokratischen Republik Kongo, deren Rohstoffreserven (Kobalt, Uran, Gold, Nickel Diamanten, Eisenerz, Coltan)auf rund 27 Billionen Dollar geschätzt werden. Von den bisher geförderten Rohstoffen hat das Land nichts gehabt, die Erlöse wanderten in die tiefen Taschen des vom Westen gepäppelten Diktators Mobuto Seseseko,   bis der von dem nicht minder korrupten Diktator Laurent Kabila, und dann von dem ebenfalls diktatorischen und korrupten Joseph Kabila 
 abgelöst wurde.

Die Regierung in Kinshasa muss die Kriegskasse füllen im Ostkongo tobt der Krieg mit und den von Ruanda unterstützen Mörderbrigaden CNDP und M23.
Dan Gertler verspricht, dabei zu helfen. Gertler bekommt im Gegenzug ein Monopol zur Diamantenvermarktung und später Schürflizenzen in Katanga. Er wird ein guter Freund des Präsidenten Joseph Kabila

Nachdem eine Firma von Steinmetz und Gertler gegründet ist, auf welche die Schürfrechte übertragen werden, können die Lizenzen dann an eine reputable Firma, entweder neu oder alt, übertragen werden, die dann an die Börse gebracht wird. Dort, wo dann durch Akktienverkauf so richtig dickes Geld fliessen soll.

Die Firma im Falle Gertler/Steinmetz heisst Global Enterprise Corporation (GEC). Die nächste Firmen-Station ist dann Nikanor, beheimatet schon auf der Insel Man, näher dran am Finanzzentrum London.

Diese Isle of Man-Firma wurde in London, unter Mithilfe einschlägiger, in Finanz- und Minengeschäft erfahrener Herrschaften, in einer sog Roadshow („Brautschau“) Investoren vorgestellt. Die „aufgehübschte Braut“ war damit dann reif für die Börse.

Der Börsengang brachte 15% der Aktien für Gertler, (Wert 225 Millionen US Dollar) ) und 60% für Steinmetz (Wert 900 Millionen US Dollar). Die Rehabilitation der Minen Tilwezembe, Kananga Brownfields, Kamoto east, Oliveira Virgule und FNSR , für welche die die Schürfrechte erteilt wurden wurde auf 600-700 Millionen US Dollar geschätzt.

Gertler hatte für die Lizenzen läppische 3 Millionen US Dollar gezahlt.

Und ein Jahr später gab es für frische Nikanor-Aktien noch einmal 775 Millionen US Dollar.

Abzüglich der Rehabilitionskosten waren also rund 1 Milliarde US Dollar im Sack

An der armen Bevölkerung vorbei
Das Geld hätte die Regierung der DRC, wenn sie denn die Interessen der Bevölkerung wirklich am Herzen gehabt hätte, selbst besser gebrauchen können, als bei Signa-Karstadt-Kaufhof  und Immobilien-Investitionen in Europa letztlich zu landen. Insofern gleichen sich Steinmetz/Gertler und die Regierung der DRC.

Nicht nur in Afrika
Aber Steinmetz ist auch in Europa aktiv: in Rumänien.Die Beny-Steinmetz-Gruppe (BSG) hält Anteile an einem kanadischen Bergbau-Konzern, der ein höchst umstrittenes Goldminenprojekt in Rumänien vorantreiben will.

In Rumänien bergbauert Steinmetz aber offenbar nicht nur, sondern soll angeblich auch bei Restitutionszahlungen in dreistelliger US-Dollar Millionenhöhe zugelangt haben, illegal versteht sich. Das Strafverfahren läuft. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Zurück zur Eisenerzmine Simandou
Als 2014 die Preise für Eisenerz auf dem Weltmarkt kollabierten und die Ebola Epidmie ausbrach, verkaufte Rio Tinto die Schürflizenz weiter an die chinesische Firma Chinalco
Bis heute ist weder ein Kilometer Eisenbahn gebaut, noch eine Tonne Eisenerz gefördert, noch hat sich die soziale Lage der Bevölkerung Guineas  auch nur einen  Jota verbessert.

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