Interview mit Igor Kostjukow, Direktor des russischen GRU, zum Berliner Tiergartenmord

Dr. Alexander von Paleske —– 6.12. 2019 — Folgendes Interview landete heute in meiner Mailbox:

Interviewer

Dobroje utro Towarischtsch Kostjukow

Igor Kostjukow

Zdravstvuite

Genosse Igor, GRU-Boss

Herr Direktor,  Deutschland hat gerade zwei russische Diplomaten, die für den russischen Geheimdienst GRU gearbeitet haben, ausgewiesen. Es sollte  eine Art Vergeltung  dafür sein, dass Russland angeblich hinter dem Mord an dem Tschetschenen Zelimkhan Khangoshvili am 23. August im Berliner Tiergarten steht. Die Bildzeitung in Deutschland hatte diese unappetitliche Schlagzeile:

Der Mord geht in der Tat auf unser Konto. Genosse Präsident Putin hatte  angeordnet,  radikalislamistische Terroristen, und andere im Ausland tätige Feinde Russlands, auszuschalten. Die Grundlage dafür ist ein Gesetz aus dem Jahre 2006, das dies ausdrücklich erlaubt. Insofern halten wir uns natürlich, auch im GRU, streng an Recht und Gesetz.Wir finden heraus, wer unter diese Kategorie fällt, und handeln dann.

War dieser Zelimkhan Khangoshvili  ein Terrorislamist?

Und ob!  Khangoshvili stammte aus  Pankisi Gorge, einem Gebiet in Georgien, das seit Jahrhunderten  Heimat für eine  ethnische Minderheit von Tschetschenen ist, die auch als Kisten bezeichnet werden. Im Jahre 2001 endeckte dieser Kerl seine internationalistischen radikalislamischen Gefühle, und marschierte in den zweiten Tschetschenien- Krieg, schloss sich  einer Bande an, die sich “Chechen Republik of Ichkeria” nannte. Khangoshvili   brachte es bis zum  Bandenkommandeur, und freundete  sich  mit dem früheren Tschetschenischen Anführer Aslan Maskadov an, den  unser Inlandsgeheimdienst  FSB im Jahre 2005 beiseite räumte.

Zelimkhan Khangoshvili

Aber das ist doch alles lange, lange  her

Stimmt, aber  dieser Kerl machte ja weiter: nachdem wir die Radikalislamisten aus Tschetschenien vertrieben hatten,  kehrte er nach Georgien zurück,  rüstete dort  ein Bataillon auf, das unsere Armee im Georgienkrieg 2008 bekämpfen sollte, Russland war dort einmarschiert, um den georgischen  Expansionsgelüsten  die rote Karte zu zeigen.

Machte er denn  auch nach dem Georgienkrieg weiter? Z.B. in Syrien?

Dafür gibt es keine Erkenntnisse, aber für uns war aus vielen gemachten Erfahrungen  klar: dieser Mann wird von seinen Terroraktivitäten gegen Russland nicht ablassen. Der muss weg. Da Khangoshvili aber  in Georgien lebte, kam nur die Beseitigung durch uns, den GRU, in  Frage. Mehrfach ist der uns aber entwischt.

Und warum nun Deutschland?

Im Jahre 2016 flüchtete er mit seiner Familie nach Deutschland und bat um politisches Asyl, weil er glaubte, dort sicherer zu sein vor uns –  dieser Narr. Für unseren  Auslandsgeheimdienst GRU gibt es keine Unerreichbarkeit. Und in Deutschland gab  Khangoshvili  auch keine Ruhe, sondern bewegte sich in uns feindlich gesonnenen Exil-Tschetschenen-Kreisen. Genug ist genug!

Wer war denn dieser Mörder, der unter dem falschen Namen Vadim Sokolov mit einem gefälschten Pass ohne biometrische Daten einreiste?

Das ist ein kleiner Mordbube, mit dem Namen Vadim Krasikov, der  für etwas Geld bei anderen die Lichter ausdreht. Den hatten wir angeheuert  für diesen Job. Kein leitender Mitarbeiter oder Top-Spion. Der hatte zuvor schon am 19.6. 2013 gegen Bezahlung  – nicht von uns –  einen Geschäftsmann mit dem Namen Albert Nazranov in Moskau getötet. .

Albert Nazranov

 Dahinter stand aber nicht  unser Inlandsgeheimdienst FSB, vielmehr handelte es sich um einen Racheakt. Deshalb fahndete die Polizei  auch zunächst national, und dann international, nach dem Mörder, und sandte ein Fahndungsfoto auch an Interpol.

Was war denn der Hintergrund von diesem Nazranov?

Nazranov war der Mann fürs Grobe  für Arsen Kanokov, Premier der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien  von 2005-2013.

Arsen Kanokov

Nazranov  versammelte eine Reihe von Leuten aus Ringer-Clubs, mit denen zusammen er lokale Geschäftsleute unter Druck setzte, um die „karitativen“ Projekte Kanokovs  finanziell zu unterstützen, mit denen der sich dann schmückte. Er half   Kanokov auch, einen Aufstand von jungen Islamisten niederzuschlagen, ebenso  Unabhängigkeitsbestrebungen der Tscherkessen im Zaum zu halten. Die Radikalmuslime hassten ihn dafür. Kanokov half zudem,  Tscherkessen aus Syrien in seine Republik zu fliehen, was wiederum den Genossen Putin erzürnte.

 Kanokov musste deshalb sein Amt aufgeben, blieb aber weiter in  der  Partei des Genossen Putin Einiges Russland, und ist jetzt Senator.

 Nazranov aber  hatte in all den Jahren der Dreck-Arbeit für Kanokov sich  genügend Feinde gemacht, zum Schluss selbst Kanokov.

Viele Hunde sind des Hasen Tod.  Beim ersten Anschlag auf ihn  2012 wurde  Nazranov schwer verletzt,  den zweiten durch Vadim Krasikov,  der Mörder kam mit dem Fahrrad,  überlebte Nazranov nicht. Vadim Krasikov sitzt jetzt in Berlin ein, den werden wir aber eines Tages austauschen.

Wieso verschwand dieser Mann 2015 dann von der Fahndungsliste?

Arsen Kanokov  hatte sich für ihn eingesetzt, da er auch ihm seinen Ex-Mann fürs Grobe,  Nazranov, vom Hals geschafft hatte. Der wusste zuviel. Deshalb hat Genosse Putin ihn laufen lassen,  aber unter der Bedingung, dass er nun für uns arbeitet.So nahmen wir ihn von der Fahndungsliste. Leider haben die Leute von Bellingcat das alte Foto gefunden, und damit die wahre Identität des Mörders vom Tiergarten feststellen können, während der nutzlose Deutsche Bundesnachrichtendienst noch im Dunkeln tappte.

Gerade ist in Grossbritannien ein Buch erschienen mit dem Titel “From Russia with Blood”. Darin behauptet eine Heidi Blake, dass 14  Todesfälle in Grossbritannien, als  Selbsttötungen behandelt,   in Wirklichkeit  Morde durch Ihre Organisation waren.Die Opfer waren zumeist Exilrussen oder Geschäftsleute mit Verbindungen nach Russland, wie Scot Young.

Ja, das ist zutreffend. Mehr als die Hälfte kommt aus dem Umkreis von Boris Beresovski, einem Todfeind  des Genossen Putin. In allen Fällen handelte es sich um Feinde Russlands. Die britischen Behörden taten gut daran, diese Todesfälle nicht näher zu untersuchen, obgleich der US-Geheimdienst CIA, und auch der britische Mi6, immer wieder darauf hinwiesen, dass es sich um Mord, und nicht um Selbstmord oder Unfälle   handele. Aber die britische Regierung vermied es tunlichst, die Beziehungen zu uns zu belasten. Erst mit dem Anschlag auf Skripal letztes Jahr änderte sich das.

Spassibo, vielen Dank für dieses sehr informative Interview..

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Ein Gedanke zu “Interview mit Igor Kostjukow, Direktor des russischen GRU, zum Berliner Tiergartenmord

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