Europa, Covid-19, China und ein ZEIT-Leitartikel

Dr. Alexander von Paleske — 27.3. 2020 —–

Vorgestern kam die erste Lieferung mit medizinischen Versorgungsgütern aus China in Spanien an, einem der am härtesten von CoViD19  betroffenen Gebiete. Bereits zuvor hatte die VR China  vor allem an Italien aber auch an Serbien geliefert.

Nicht nur in Italien und Spanien sondern auch  Deutschland herrscht  Mangel an Schutzkleidung in Krankenhäusern, Arztpraxen,  auch in Einrichtungen wie Altenheimen.  Medizinisches Personal droht so, sich selbst,  aber auch Patienten, zu infizieren,  mit dramatischen Folgen für noch nicht infizierte  Patienten, für die Behandlung der Erkrankten, aber auch für Bewohner von Heimen, wo Hochrisikogruppen leben.

Hinzu kommt, dass Aerzte und Pflegepersonal nicht einmal routinemässig und regelmässig auf die Infektion mit SarsCoVi-2 getestet werden, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen.

Bittbrief nach China

 In seiner Verzweiflung über den Mangel an Schutzkleidung wandte sich der Landrat des besonders betroffenen Landkreises Heinsberg, Stephan Pusch, vor wenigen Tagen  mit einem persönlichen Bitt-Brief an den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jin Ping . Der chinesische Generalkonsul in Düsseldorf schaltete sich sofort ein, und und versprach Hilfe.

Landrat Stephan Pusch ……..Bittbrief nach China

Krankes System

Das Deutsche Gesundheitswesen ist krank:  nicht nur dass jetzt Schutzkleidung allenthalben fehlt, vielmehr haben die Gesundheitsreformen mit Einführung der Fallpauschale durch die rot-grüne Koalition 2003, mit der  SPD Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, dafür gesorgt, viele Krankenhäuser in die roten Zahlen zu schicken. Während früher ein Tagessatz pro belegtem Bett  gezahlt wurde, ist es nun die Fallpauschale, ganz egal wie lange der Patient im Bett liegt.

Die Folgen:

  •  kürzest mögliche Verweildauer,
  • Patienten werden vorfristig entlassen
  • Durchführung unnötiger, aber lukrativer Eingriffe  
  • kein Vorrat von medizinischen Artikeln für Krisenzeiten,
  •  Isolierstationen dichtgemacht.
  • Schliessung bürgernaher Krankenhäuser

Kurzum: die totale, brutale Durchkommerzialisierung des Gesundheitswesens.

Aus den Fugen geraten

Die negativen Folgen lassen sich schon seit einiger Zeit besichtigen, und mehrfach wurde hier über sie  berichtet. Durch die CoViD-19 Pandemie, die noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, ist das auf maximale Kostenreduktion getrimmte System aus den Fugen geraten.

Da nun Betten freigemacht werden müssen für Corona-Patienten, die dank geringer Kostenpauschale und langer Verweildauer nichts einbringen,   und lukrative Operationen zurückgestellt werden, muss der Staat Milliardenbeträge locker machen, um die finanzielle Ueberlebensfähigkeit der Krankenhäuser, die jetzt noch mehr  finanziell in die Schieflage geraten, zu sichern. Eine  Schieflage die durch die Fallpauschale verursacht wurde.

Schlappmachen eines kranken Systems

Ein krankes System,  das bei Herausforderungen wie CoViD-19 schlappmacht. Sicher, das Deutsche Gesundheitswessen ist in einem besseren Zustand als das italienische, das spanische, das britische –  und weitaus besser als das der USA, das kurz vor dem Kollaps in Städten wie New York steht. Aber, auch das soll nicht vergessen werden: die Gesundheitsbudgets mussten auf Druck der EU in Spanien und Italien erheblich gekürzt warden.

EU in der Krise – Krise der EU

Für die EU wäre es eine Herausforderung gewesen, umfassende Solidarität mit Spanien Italien und Frankreich in der Krise zu zeigen. Davon kann jedoch keine Rede sein. Deutschland bot den am meisten betroffenen Ländern wie Spanien und Italien vorerst keinerlei Hilfe an. Jeder für sich selbst hiess die Devise.

Erst in dieser Woche wurden einige Patienten aus Frankreich und Italien übernommen. Die EU hat ihre schwärzeste Stunde nach dem Brexit erlebt, und Mehr ist weiter auf diesem Abweg zu erwarten,  denn  jetzt geht es darum, die riesigen wirtschaftlichen Folgen zusammen zu stemmen. Aber, wie sich gestern gezeigt hat, hapert es auch hier: keine Einigung. Deutschland lehnt Eurobonds ab.

 CoViD-19 wird nicht nur zum Testfall  für die Solidarität – da sieht es schon miserabel aus – sondern bald auch für den Euro.

Medien reagieren

Interessant ist, wie in den Medien auf diese Situation reagiert wird.

Ein krankes System

so heisst der Leitartikel in der liberalen Wochenzeitung DIE ZEIT  von dieser Woche, die gestern herauskam.

Allerdings greift der Artikel  nicht die Mängel im Deutschen Gesundheitswesen, und die mangelnde Solidarität unter den EU-Staaten an, sondern attackiert stattdessen  China, das mit einem enormen Kraftaufwand nicht nur die CoViD-19 Epidemie unter Kontrolle gebracht hat, sondern jetzt auch Hilfe für die am schwersten betroffenen Länder in Europa leistet, nicht nur mit Schutzkleidung sondern auch mit medizinischem Personal. Auch Kuba schickte medizinisches Personal nach Italien.

Falsche Daten

Los geht es in dem ZEIT-Artikel schon mit einer falschen Datumsangabe.Der Autor, der ehemalige stv. Chefredakteur und jetzige Chefkorrespondent Matthias Nass, behauptet, dass am 23. Januar 2020 abrupt die Welt von der Epidemie  durch Abschottung der Stadt Wuhan und dann der Provinz Hubei  erfahren haben.

Richtig ist: Seit Mitte Dezember arbeiteten die Wisenschaftler Chinas an der Aufklärung einer bis dato ungeklärten Krankheit, die sich durch eine atypische Lungenentzündung manifestierte, in enger Zusammenarbeit auch mit dem Virologen Prof. Drosten in Berlin.

Dass ein warnender Bericht von einem Arzt in Wuhan durch  lokale Behörden unterdrückt wurde, ist kritikwürdig, ändert am Gesamtbild  jedoch wenig. Bereits am 10. Januar war weltweit bekannt, dass ein neues Corona Virus für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich ist.  

Am 16.1 habe ich in einem Artikel auf das bereits entschlüsselte Virus hingewiesen, und auf dessen  Gefährlichkeit. Damals gab es weniger als hundert Infizierte. Drei Tage später, am 19. 1, griff ich angesichts drastisch zunehmender Infektionsfälle  das Deutsche Auswärtige Amt in einem Artikel  an, da es keine Reisewarnung für Wuhan herausgab, trotz der Verzehnfachung der Zahl der Infektionen dort.

Gleichzeitig wies ich darauf hin, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis dieses Virus auch nach Deutschland komme.

Erst falscher Prophet dann Verharmloser: Jens Spahn

Die Deutsche Bundesregierung mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn ignorierte zunächst die Gefahr, die sich da zusammenbraute,( “kommt nicht nach Deutschland, und selbst wenn, sind wir bestens gerüstet.”} Dann  verharmloste er die Epidemie (“Eine Grippewelle fordert mehr Tote”) bis schliesslich Anfang März  die sich anbahnende Katastrophe nicht mehr zu leugnen war.

Wertvolle Zeit  vertan

Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) China für seine radikalen Massnahmen zu Eindämmung der Epidemie immer wieder lobte, kamen die Massnahmen in Deutschland erst langsam  – viel zu langsam – in Gang. Potentiell Infizierte konnten ungecheckt Krankenhäuser betreten, und irrten dann dort herum auf der Suche nach jemandem, der einen Test durchführte, oft vergeblich.

Attacke gegen China

Nun also wird China in einem Leitartikel angegriffen, weil es Unterstützung leistet, die im Rahmen der EU längst hätte geleistet werden müssen.

Matthias Nass ……erbärmlicher Artikel

Der Autor des ZEIT-Artikels,  Matthias Nass, zieht das Fazit: Demokratien können sehr schnell und entschlossen handeln. Das ist zutreffend, aber sie haben es nicht. Und schon gar nicht Solidarität gezeigt .

Im übrigen  sollte Herr Nass, der sich als Verteidiger der Demokratie aufspielt, den Mund nicht zu voll nehmen:  Er  war jahrelang Mitorganisator und Teilnehmer der absolut Demokratie-feindlichen und Demokratie-verhöhnenden Bilderberg-Geheimkonferenzen, die hier in mehreren Artikeln scharf angegriffen wurden.

Fazit:

Die EU hat in der Krise versagt,  und die ZEIT  hat mit einem erbärmlichen Leitartikel ihrem  Anspruch auf   Qualitätsjournalismus  einen Bärendienst erwiesen.

Ein Gedanke zu “Europa, Covid-19, China und ein ZEIT-Leitartikel

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